«Mit der neuen Anlage haben wir unsere Kapazität vervielfacht»

14. Juli 2017 agvs-upsa.ch - Wer schon einmal auf der A1 von Bern nach Zürich gefahren ist (und wer ist das nicht?), der kann gar nicht anders, als die Marke «Midland» zu kennen. Nicht alle wissen aber, dass hinter dem riesigen Fass in Hunzenschwil AG eine Schweizer Unternehmung steckt.


Stolz auf ihre Schweizer Qualität: Die Firmenchefs Thomas (l.) und Fredi Brack.

sco. «Das geht leider oft vergessen», bestätigt Fredi Brack. Dabei führt der 58-Jährige die Oel-Brack AG, die Produzentin von Motorenöl der Marke «Midland», gemeinsam mit seinem Bruder Thomas in der vierten Generation. Und eine fünfte Generation ist bereits in der Firma tätig. Gegründet im Jahre 1880, blickt das Familienunternehmen auf eine lange und stolze Firmengeschichte zurück. Der Markenname «Midland» hat trotz englischem Einschlag nichts mit den USA und deren Mittleren Westen zu tun, sondern steht schlicht und ergreifend für das Schweizer Mittelland. «99 Prozent unserer Produkte mischen wir hier in Hunzenschwil», sagt Fredi Brack. Rund 4 Millionen Liter Schmierstoffe verlassen jährlich das Areal zwischen der A1 und der Bahnlinie. Logistisch ist Oel-Brack perfekt gelegen: Der Autobahn-Zubringer Aarau-Ost ist keine 2 km entfernt, nicht viel weiter ist es zu den Umladeterminals Aarau und Birrfeld.
 
Vollautomatische Motorenöl-Mischanlage
Rund 6 Millionen Franken haben Fredi und Thomas Brack in eine neue Produktions- und Lagerhalle investiert – ein Quantensprung für das mittelständische Unternehmen. «Wir haben lange mit Kapazitätsproblemen gekämpft», erklärt Fredi Brack, «mit der neuen Anlage haben wir unsere Kapazität vervielfacht.» Gleichzeitig konnten die Abläufe automatisiert und vereinfacht werden. Herzstück der neuen Halle ist die schweizweit modernste vollautomatische Motorenöl-Mischanlage inklusive 40 neuen Tanks mit einer Gesamtkapazität von fast 3 Millionen Litern. Brack: «Wir können jetzt mit der gleichen Anzahl an Mitarbeitenden die doppelte Menge produzieren.» Wo früher ein Mitarbeiter den Misch-Prozess überwachen musste, wacht nun die Elektronik.
 
Im März 2015 begannen die Bauarbeiten, mittlerweile sind sie abgeschlossen. «Wir haben über 2000 Meter Rohre verlegt und etwa 140 elektronisch-pneumatische Ventile verbaut», rechnet Fredi Brack vor. Nicht ohne Stolz, denn die Planung und Umsetzung des Projektes war Chefsache. Dabei achtete Brack auch auf Details: So können die Chauffeure die Grund-Öle und Additive in einer Halle anliefern – geschützt vor Wind und Wetter: «Das wird von den Fahrern sehr geschätzt.» Und: Der Boden bei der Anlieferung ist leicht geneigt, was das Entleeren vereinfacht. In früheren Jahren war Fredi Brack selber noch mit dem Tanklastwagen unterwegs – das sensibilisiert für die Bedürfnisse der Chauffeure.


Gesamtkapazität von 3 Millionen Litern: Ein Blick in den Neubau von Oel- Brack in Hunzenschwil.

Wer viel Geld für ein Auto ausgibt, der pflegt es auch
Die Investition in die Zukunft hänge mit der guten Auftragslage zusammen – national wie international. Rund die Hälfte der Produktion geht in den Export. Bei unserem Besuch in Hunzenschwil wartete gerade eine grössere Lieferung Motorenöl auf den Verlad in Richtung Minsk. «Auch in Osteuropa fahren viele Menschen westeuropäische Autos», erklärt Fredi Brack. Und wer viel Geld für ein schönes Auto ausgibt, der will ihm auch die geeignete Pflege angedeihen lassen. «Natürlich gibt es günstigere Öle als unsere. Aber dann wissen Sie als Garagist oder Automobilist nicht, ob es den Qualitätsansprüchen genügt.» «Midland» verfügt über Freigaben aller grossen Hersteller und setzt gerade im Geschäft mit den Garagisten auf Lieferbereitschaft und Beratungsqualität. «Dass wir nur für ein Label produzieren, hat positive Auswirkungen auf unsere Liefergeschwindigkeit», erklärt Fredi Brack. Auch komme es immer wieder vor, dass ein Garagist mit einer Anfrage für eine technische Information direkt beim Chef landet: «Wenn Sie bei uns anrufen, dann heisst es nicht: ‹Für Deutsch drücken Sie die 1 …›»
 
Fredi und Thomas Brack expandieren mit ihrer Firma in einer Zeit, in der Politik, Medien und Industrie die Elektromobilität als «next big thing» erwarten. Doch Fredi Brack winkt ab. Er rechne nicht damit, dass in zehn Jahren alle mit Stromern unterwegs sind, sagt er und wird dann grundsätzlich: «Solange in Europa auch nur ein Kohlekraftwerk in Betrieb ist, braucht es keine Elektromobilität!»

Übrigens: Dass das Produktionsgebäude an der A1 die Form eines Fasses hat, hat sich eher zufällig ergeben. Gleich neben dem Fass fahren die Tanklaster aus der Abladestation. Fredi Brack: «Wir hatten ursprünglich ein eckiges Gebäude geplant. Weil wir ­verhindern wollten, dass weniger routinierte LKW-Fahrer die Ecke mit ihren Fahrzeugen rund machen, haben wir uns für das Fass entschieden 
 
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