Urs Baumann: Seit 30 Jahren ist er beim ÜK-Center in Lenzburg tätig

Interview mit Urs Baumann, Leiter AGVS-ÜK-Center Lenzburg
CRC: Urs Baumann engagiert sich seit 30 Jahren für die Nachwuchsförderung in der Autobranche. Dies ist ein Grund, um mit ihm auf diese Zeit zurückzublicken.

 
Welches war Ihre «Basisausbildung»?
UB: Ich habe von 1976 bis 1980 bei der Centralgarage AG in Aarau eine Ausbildung als Automechaniker absolviert. Damals hiess die Berufsbezeichnung noch so.

Wie sind Sie damals zum Job im ÜK-Zentrum gekommen?
UB: Ein paar Jahre nach der Lehre, also von 1986 bis 1988, bildete ich mich zum «Eidg. Dipl. Automechaniker» aus. Dies war gleichbedeutend mit der Meisterprüfung. Ich besuchte damals den ersten berufsbegleitenden Kurs an der Schweizerischen Technischen Fachschule Winterthur. Wir bildeten eine Lerngruppe und trafen uns jeweils bei mir zu Hause. Dabei wurde mir bewusst, dass ich gerne meinen Schulkollegen weiterhalf, wenn sie beim Schulstoff Fragen hatten.
Kurze Zeit später wurde im ÜK-Center hier in Lenzburg eine Stelle frei als Kursleiter. Ich entdeckte das Stelleninserat in der Zeitung und bewarb mich dafür. Ich erhielt die Zusage und nahm die Arbeit am 14. August 1989 auf.


Urs Baumann im ÜK-Center in Lenzburg

Können Sie sich noch an Ihren ersten Arbeitstag erinnern?
UB: In meiner ersten Woche lernte ich viele Leute an der Berufsschule und natürlich im ÜK-Center kennen. Wir bearbeiteten ein Unfallfahrzeug, um es zu Schulungszwecken verwenden zu können. Dazu durfte ich gleich eine neue Postenarbeit erstellen, die danach während einiger Jahre zum Einsatz kam. Am Sonntag vor meinem ersten Unterrichtstag spielte ich alle Posten durch, um für die ersten Lektionen bestens vorbereitet zu sein.

Was war Ihr erster Job / Ihre erste Funktion?
UB: Ich war Kursleiter und unterrichtete das Fach «Autotechnik».

Was hat sich seither am meisten verändert?
UB: Zu Beginn arbeiteten wir noch mit einem Atari-Computer. Die Möglichkeiten waren natürlich sehr begrenzt damit. Heute nutzen wir alle Möglichkeiten, welche die moderne IT-Infrastruktur bietet. So sind wir in der Lage, attraktive Lehrmittel und Arbeitsblätter selbst zu gestalten und anzupassen. Die Digitalisierung hat auch uns voll erfasst. Und zwar im positiven Sinne. Als ich meine Arbeit aufnahm, hatten wir keine neuen Autos, an denen wir die Lernenden schulen konnten. Im besten Fall standen uns Unfall- und Abbruchwagen zur Verfügung. 1991 erhielten wir den ersten Neuwagen, einen Toyota. Zudem kamen Testgeräte zu jener Zeit noch kaum zum Einsatz. Umso mehr schätzen wir die Situation heute. Heute arbeiten wir an Autos der neusten Generation und verwenden modernste Geräte, wie z.B. Diagnose- und Testgeräte. Gegenüber früher ist das schon ein riesiger Vorteil, den ich extrem schätze.

Bei der Ausbildung standen früher die mechanischen Arbeiten im Vordergrund. Heute bringen wir unseren Nachwuchsleuten natürlich auch Diagnose- und Auswertungsarbeiten bei. Das wurde in den letzten Jahren immer wichtiger. Trotzdem vernachlässigen wir die handwerkliche Ausbildung nicht. Vergleicht man die frühere Ausbildung mit heute, so kann man sagen, dass sie breiter, interessanter und anspruchsvoller wurde.

Die Lernenden waren früher nicht so brav wie die heutigen Jahrgänge. Aber ich denke, die Jungen von heute dürften ruhig etwas ehrgeiziger sein, wenn es darum geht, Neues selber auszuprobieren.

Was macht eine Ausbildung im Autogewerbe auch für die Jugendlichen interessant?
UB: Die Vielseitigkeit, die breite Ausbildung und die Abwechslung. Wer sich für eine Ausbildung in unserer Branche entscheidet, muss wissen, dass sich die Autobranche weiterentwickeln wird. D.h., man muss auch sich selber ständig weiterentwickeln und darf sich nicht auf den Lorbeeren ausruhen.

Heute müssen Sie die Lernenden bei allen Antriebsarten (Benzin, Diesel, Elektro, Hybrid) ausbilden. Wie schaffen Sie das?
UB: Auch unser Lehrerteam ist ständig gefordert, um «am Ball» zu bleiben. Wir müssen uns mit den neusten Techniken vertraut machen und über das aktuelle Know-how verfügen, um die Lernenden kompetent ausbilden zu können. Das ist eine Grundeinstellung, die wir täglich leben. Uns geht also die Arbeit nicht aus und wir sind froh, dass die Autoberufe nach wie vor sehr beliebt sind.

Unterrichten Sie selber auch?
UB: Als Leiter des ÜK-Centers muss ich mich jeden Tag um viele administrative und organisatorische Fragen kümmern. Somit lässt dies regelmässige Unterrichtsstunden leider fast nicht mehr zu.

Kurscenter
Das Kurscenter des AGVS (Auto Gewerbe Verband Schweiz), Sektion Aargau, ist der Berufsschule Lenzburg angegliedert. Im modernen Kurscenter finden die überbetrieblichen Kurse aller Werkstattberufe des Autogewerbes statt. Jährlich besuchen ca. 700 Lernende die obligatorischen Kurse. Davon absolvieren jährlich ca. 200 Kandidatinnen und Kandidaten den praktischen Teil des Qualifikationsverfahrens. Neben den überbetrieblichen Kursen werden im Kurscenter auch die Praktikumsblöcke der Automobildiagnostiker-Kurse durchgeführt.

Urs Baumann leitet das ÜK-Center seit dem 1. Januar 2012 mit grossem Engagement.
 

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