Hände weg vom Steuer – bald legal?

15. Oktober 2015 agvs-upsa.ch - Es kommt Bewegung in die Welt des autonomen Fahrens – nun auch auf der juristischen Ebene. Das ASTRA soll bis Ende Jahr klären, ob zum Beispiel freihändiges Fahren auf Autobahnen erlaubt sein soll.



Kaum jemand weiss genauer, wie schnell sich die Automobil-Technik in den letzten Jahren entwickelt hat als die Garagisten. Ihr Berufsbild hat sich in der jüngeren Vergangenheit massiv verändert und wird sich weiter verändern. Der AGVS hat darauf bereits reagiert und eine entsprechende Revision der Grundbildung in die Wege geleitet. Auch auf juristischer Ebene verlangt der technologische Fortschritt eine Anpassung der Paragraphen-Landschaft. 

Laut bestehendem Recht muss der Fahrer das Steuerrad ständig halten. Der Bund hat nun beim Bundesamt für Strassen (ASTRA) ein Gutachten in Auftrag gegeben, um bis Ende Jahr zu klären, wie einem ersten Schritt das Autobahnfahren mit autonomen Systemen erlaubt werden kann, schreibt die «NZZ am Sonntag». Dabei stehen auch Haftungsfragen im Vordergrund. «Irgendwann wird der Fahrroboter besser fahren als jeder Mensch», sagte Stefan Huonder vom ASTRA der NZZaS. Auch wenn dies noch einige Jahre dauern wird, müsse das Recht dahingehend angepasst werden

Volvo übernimmt Haftung bei selbstfahrenden Autos
In diesem Zusammenhang kam dieser Tage eine etwas überraschende Ankündigung von Volvo. Der schwedische Autohersteller will bei Unfällen mit seinen selbstfahrenden Fahrzeugen künftig die volle Haftung übernehmen, wie er in einer Pressemitteilung schreibt. Volvo ist damit der erste Autobauer, der sich so deutlich nach vorn wagt. Schon in zwei Jahren sollen in Göteborg im Rahmen des Projekts «Drive Me» rund 100 autonom fahrende Volvos im Strassenverkehr unterwegs sein.

Schon deutlich länger testet Google (bereits fast drei Millionen Testkilometer) seine selbstfahrenden Fahrzeuge im kalifornischen Strassenverkehr und war in den letzten sechs Monaten in acht Unfälle verwickelt, wie die jüngsten Zahlen der kalifornischen Verkehrsbehörde zeigen. Betrachtet man die Berichte einzeln, so fällt indes auf, dass die Kollisionen – es handelt sich meist um Auffahrunfälle an Kreuzungen – nie vom selbstfahrenden Google-Ei verursacht wurden, sondern immer vom Fahrzeug, das von Menschenhand gesteuert wurde, wie die «Süddeutsche Zeitung» berichtet.

Weniger, aber teurere Schäden
Auch Mirjam Eberhard von den Axa Winterthur geht davon aus, «dass mit einem Anstieg von selbstfahrenden oder teilautonomen Fahrzeugen auch weniger Unfälle geschehen werden». Rund 90 Prozent der Unfälle seinem vom Lenker verursacht, rechnet sie in der NZZaS vor. Hingegen dürfte die Schadensumme pro Unfall steigen, so David Schaffner von der Zürich Versicherung: «Ein Stein, der an die Frontscheibe fliegt, kann bereits überdurchschnittlich hohe Schadenkosten verursachen, falls er dabei die in der Scheibe eingebaute Heizung oder eine Kamera beschädigt.»

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