«Retail is Detail»

Multimarken-Verkaufsarbeitsplatz

«Retail is Detail»

4. Juli 2022 agvs-upsa.ch – Emil Frey hat für seine Digitalisierungsbemühungen schon Preise erhalten. Seit gut einem Jahr können auch die Schweizer Emil-Frey-Betriebe von einem digitalen Multimarken-Verkaufsarbeitsplatz profitieren und so erheblich an bürokratischem Aufwand einsparen. Bald sollen auch freie Garagen diesen nutzen können. Philipp Rhomberg, Mitglied der Geschäftsleitung und CDO der Emil Frey Gruppe, erklärt den AGVS-Medien exklusiv die Details der cleveren Software.

artikel_ef_d_lager.jpgSauber aufgeräumte Übersicht übers Lager. Quelle: Emil Frey Digital

jas. Das traditionsreiche Familienunternehmen, die Emil Frey Gruppe, feiert schon bald sein 100-jähriges Jubiläum. Das sich Tradition und Moderne nicht beissen müssen, beweist der erfolgreiche Importeur eindrücklich, der zu den grössten Autohändlern Europas gehört und in der Schweiz Marken wie Toyota, Lexus, Suzuki, Kia, Subaru, Mitsubishi, Land Rover, Jaguar oder auch Peugeot, Citroen, DS und Opel vertritt. Denn Emil Frey gehört auch zu den Vorreitern, wenn es um die Digitalisierung geht. Erste Online-Transaktionsmöglichkeiten gab es schon länger und seit 2019 arbeitet das Team von Philipp Rhomberg, CDO der Emil Frey Gruppe, an einem transaktionalen Web-Auftritt für ihren Einzelhandel in der Schweiz, der den ganzen Verkaufs- und auch Eintauschprozesse online abbilden lässt. Erste Fahrzeuge wurden so bereits online verkauft. Doch damit gab man sich bei Emil Frey nicht zufrieden, Ziel war es, die erste digitale Prozessplattform über die gesamte Vertriebskette zu entwickeln und so in einem ersten Schritt einen Multimarken-Verkaufsarbeitsplatz zu schaffen.

«Wir sind sehr heterogen aufgestellt, daher ist es uns wichtig, dass wir nicht einfach eine Variante für alle Märkte und alle Marken schaffen, sondern bei dieser Entwicklung auch auf die unterschiedlichen Anforderungen Rücksicht nehmen», so Rhomberg. Entscheidend für den CDO der Emil Frey Gruppe ist zudem, dass man nicht einfach um der Digitalisierung Willen einen Prozess digitalisiert: «Wir sind keine Trendfabrik und wollen auch nicht einfach ein bisschen ‹fancy› sein. Für uns ist klar, dass wir aus dem Alltagsgeschäft heraus digitalisieren und die ganze Wertschöpfungskette in einem durchgängigen Prozess abbilden wollen.»

artikel_ef_d_rhomberg.jpgPhilipp Rhomberg, CDO der Emil Frey Gruppe, erläuterte die neue Prozessplattform. Quelle: Emil Frey Digital

Gar nicht so einfach bei den ganzen unterschiedlichen Nomenklaturen und Codes der einzelnen Hersteller und Marken. Das Ganze wird durch die verschiedenen integrierten ERP-Systeme (Enterprise Resource Planning) und DMS-Anbieter in den Betrieben und Garagen noch komplexer. Doch davon liessen sich Rhomberg und sein Team nicht abhalten und kümmerten sich auch um Details. Der Entscheid, ein digitales Ökosystem mit cleverem Multimarken-Verkaufsarbeitsplatz zu schaffen, wurde bei der Emil Frey Gruppe 2017 gefasst. Klar war damals auch schon, dass das «INSiDE» genannte System eine Prozessplattform sein musste, welche den Warenfluss, die unterschiedlichen Rollen in den Betrieben oder auch das Leadmanagement für die Verkäufer und die ganzen Promotionen und Sonderaktionen der Importeure abbilden sollte. Eigene Softwareingenieurs-Teams in Zürich und Kroatien arbeiteten daran und haben die klare Aufgabe, den realen Arbeitsprozess abzubilden. «Danach entscheiden die Leute an der Front, ob die Digitalisierungsvariante passt oder ob noch etwas angepasst und nachgeschärft wird», verrät Rhomberg.

artikel_ef_d_1.jpgQuelle: AGVS-Medien

«INSiDE» ist eine Prozessplattform, welche die Systeme der Importeure mit den DMS-Systemen der Händler verbindet und so nahtlose Prozesse zwischen Import und dem Handel ermöglicht. Das ERP-System der Importeure liefert zu jedem der angebotenen Automodelle die nötigen Basisdaten, Bilder und technische Infos. Wichtiger Datenlieferant für die Schweiz ist zudem auch Auto-i-dat. «Für uns war es wichtig, effiziente Prozesse, hohe Datenqualität und ein sinniges Stammdatenmanagement für einen mehrmarkenfähigen Verkaufsarbeitsplatz zu schaffen», erläutert er. Zudem mussten auch die unterschiedlichen Rollen in einem Handelsbetrieb erfasst werden, so dass eine Vollautomatisierung aus den einzelnen Benutzer-Profilen heraus möglich wird.

Die 58 Schweizer Emil-Frey-Betriebe nutzen das neue System bereits erfolgreich und ersparen sich damit viel administrativen Aufwand und schaffen sich so Zeit, um sich auf ihre Kernkompetenzen, den Autoverkauf und die Kundenbetreuung zu konzentrieren. «Wir haben die Software bewusst zuerst in den eigenen Betrieben ausgerollt, da sie zum einen sehr kritisches und zugleich konstruktives Feedback liefern und zum anderen haben uns die externen Pilotbetriebe, allesamt erfahrene Markenhändler, schon im Jahr 2019 durch ihre wertvollen Feedbacks dazu bewogen, noch mehr Funktionalitäten im Basisprodukt zur Verfügung zu stellen. Retail ist eben Detail», so Rhomberg. «Wir wollen mit ‹INSiDE› den Benutzern einen echten Mehrwert und einen hohen Nutzen bieten, und zudem wollten wir uns nie mit einem halbfertigen Produkt zufriedengeben, dass passt einfach nicht zu unserer Unternehmenskultur.»

artikel_ef_d_publishing.jpgEinfache Veröffentlichung auf Autoscout24 oder auch Carforyou. Quelle: Emil Frey Digital

Die Zusatzschlaufe hat sich sicherlich gelohnt, denn die administrativen Vereinfachungen für die Verkäufer sind enorm. Redundanzen wurden konsequent eliminiert, die Arbeitsprozesse konnten deutlich verbessert und verschnellert werden, nur schon bei der ansonsten oft mehrfach nötigen Eingabe von Fahrzeugdaten. Rhomberg macht vor allem klar, dass durch die neue Software ebenfalls viele Arbeitsschritte erleichtert werden, wenn Datenangaben nicht zig Mal erfolgen müssen, was Zeit spart und mögliche Fehlerquellen eliminieren hilft. Die Daten zu den einzelnen Fahrzeugen mit samt ihren Optionen werden vom cleveren System nun von den Importeursdaten übernommen, welche diese schliesslich nur schon wegen der Verzollung einmal erfassen mussten.

«Ein schönes Beispiel für Vereinfachungen sind auch Verkaufsförderungen der Importeure. Diese können nun auf Knopfdruck über alle Lagerfahrzeuge, egal, bei welchem Händler sie stehen, zugeteilt und im Verkaufsprozess angezeigt und mit dem Importeur abgerechnet werden», verrät er. Auch das ganze Leadmanagement kann übers System erfolgen. «Aus dem Leadpool heraus kann sich der Verkäufer einen Lead aussuchen und dann hat er eine gewisse Zeit, um Kontakt aufzunehmen und mit dem Kunden die nächsten Schritte zu erörtern, von der Offerte bis hin zu möglichen Probefahrten», erläutert der CDO der Emil Frey Gruppe. Auf der übersichtlichen Darstellung des digitalen Multimarken-Verkaufsarbeitsplatzes mit einer zentralen Aktionsfläche und den zusätzlichen Infos auf der rechten Seite kann der Verkäufer zudem mit wenigen Klicks auch gleich noch die gewünschte Finanzierungsart samt Eintausch berechnen. Zudem erhält der Mitarbeitende auch noch Hinweise, auf die noch zu klärenden offenen Punkte – viel intuitiver geht es kaum. «Den Eintausch haben wir auch möglichst einfach gehalten; es genügt den Fahrzeugausweis zu fotografieren sowie Kilometerangaben zu machen, schon erhält man einen Preisrange für das Fahrzeug und kann eine erste Eintauschofferte erstellen», so Philipp Rhomberg.

artikel_ef_d_lagerdetails.jpgDetailinfos zu den einzelnen Lagerfahrzeugen. Quelle: Emil Frey Digital

«Mit unserem neuen System versuchen wir, immer wiederkehrende Aufgaben so effizient wie möglich zu gestalten. Daher lassen sich damit beispielsweise auch die ganzen Preisschilder für die Fahrzeuge ausdrucken, den die ganzen Fahrzeugdetails samt den verschiedenen Promotionen sind ja hinterlegt und abrufbar. Nicht nur Ausdrucken ist mit einem digitalen System möglich, sondern natürlich auch eine Zuweisung auf ein Tablet oder eine andere Anzeige im Showroom», so Rhomberg. Neben Preisschilder für die einzelnen Fahrzeuge sind auch Offerten, Verträge oder Energieetiketten jederzeit mit wenigen Klicks erstellbar. Praktisch ist auch die Einbindung von Online-Marktplätzen wie Autoscout24 und Carforyou, deren Inserate man innerhalb des «INSiDE» anpassen und online direkt publizieren kann. Gefällt das erste Bild der Galerie zur Anzeige nicht, kann einfach ein neues hochgeladen oder festgelegt werden und schon ist es auch in der Autoscout24-Anzeige integriert und lockt dort vielleicht einen neuen Kunden an.

Doch wie wird man Teil dieses digitalen Händler-Universums mit Zugriff auf die ganzen Daten? «Unsere eigenen Händler erhalten dadurch mehr Transparenz, genauso wie die freien Händler, die unsere Emil-Frey-Lösung übrigens bald über eine Lizenz ebenfalls nutzen können», erläutert Rhomberg. «Der Initialaufwand hält sich dabei auch in einem überschaubaren Rahmen. Wichtig ist einfach, dass man als Partner sein Profil anlegt und genaue Rollen mit den jeweiligen Zugriffsrechten festlegt.» Zudem würden die einzelnen Händler ja ihren Standort am besten kennen und könnten so Öffnungszeiten, aber auch weitere Geschäftsdaten, bis hin zu den Fotos und Unterschriften der einzelnen Mitarbeiter und deren Kontaktdaten akkurater erfassen. Selbstverständlich all dies unter strikter Wahrung des Datenschutzgesetzes.

artikel_ef_d_lead-uebersicht.jpgÜbersicht über die vorhandenen Leads für die Verkäufer, die den digitalen Multimarken-Verkaufsarbeitsplatz nutzen. Quelle: Emil Frey Digital

Das neue System ist äussert intuitiv und daher reichen simple Webinare für die Einführung und Schulung. Etwa einmal im Monat gibt es zudem, wie man es auch von anderen Softwaren für Computer oder Smartphones her kennt, ein Update, um kleinere «Bugs» zu fixen und das System mit neuen Funktionen zu erweitern. Grösster Vorteil der ganzen Digitalisierung ist dabei sicherlich, dass die Software von Kennern des Autogewerbes entwickelt wurde, die sich mit Flottenmanagement, Import, Prämien, Promotionen auskennen und so die Arbeitsprozesse viel realitätsnäher abbilden können.

Doch nicht nur der Verkäufer selbst profitiert von dieser Digitalisierung, sondern auch der Garagist oder Grosshändler. Er weiss so in Echtzeit, wo welche Fahrzeuge zu welchem Preis im Angebot sind, wie der Lagerbestand aussieht und welche Fahrzeuge bereits vom Hersteller Richtung Schweiz auf die Reise geschickt wurden. Dank der ebenfalls erfassten CO2-Daten der Neuwagen weiss er auch, ob er betreffend CO2-Sanktionen noch auf Zielkurs ist oder ob sich hier Ungemach bezüglich Bussen anbahnt, weil ein Verbrennerfahrzeug bei den Kundinnen und Kunden äusserst beliebt ist, aber ihm dies auch gleichzeitig die fragile CO2-Bilanz zu verhageln droht. So eine umfassende Übersicht über den ganzen Retailprozess mit der Möglichkeit an den nötigen Stellschrauben zu drehen, um noch mehr Erfolg zu haben, gab es bislang nicht. «Die Integration der ganzen Schnittstellen, aber auch das Verstehen der verschiedenen Herstellercodes und -stammdaten waren mit sehr viel Aufwand verbunden, aber diesen haben wir nicht gescheut und können unserem Handel nun so gute und fundierte Daten liefern, wie noch nie zuvor», erläutert Rhomberg zufrieden.

artikel_ef_d_2.jpgQuelle: AGVS-Medien

Und wie sehen denn die weiteren Pläne fürs «INSiDE» aus, welche Ausbaustufen sind noch möglich? «Gegen Ende Jahr wollen wir das System noch um den Bereich Aftersales ergänzen und auch den Bereich Marketing wollen wir zu einem späteren Zeitpunkt noch in die digitale Welt integrieren», verrät ­Philipp ­Rhomberg. «Wir möchten beispielsweise Standard-Marketingkampagnen integrieren, aus dem System heraus Newsletter verschicken können oder auch bei Leasingablösungen rechtzeitig den Kunden ein neues Fahrzeug anbieten.» Die Ideen und auch die Projekte gehen Philipp Rhomberg also nicht aus. Zudem soll «INSiDE» neben Deutschland, Slowenien, Kroatien, Slowakei und der Schweiz natürlich noch für weitere Märkte ausgerollt werden, sofern der Markt dies wünscht.

artikel_ef_d_modelhub-uebersicht.jpgGute Übersicht über den Modelhub mit Fahrzeugen der verschiedenen Marken. Quelle: Emil Frey Digital
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