Nachgefragt bei Ralf Gutekunst, Leiter Produktmanagement bei Hella Gutmann: Diagnose-Zukunft DoIP

8. Mai 2017 agvs-upsa.ch - Das ethernetbasierte Transportprotokoll DoIP (Diagnostic over Internet Protocol) hält Einzug in die neuesten Fahrzeuggenerationen. Hella Gutmann ermöglicht DoIP einfach und ohne, dass die Garagisten Geld in ein neues Diagnosegerät investieren müssen.
 
pd. Im Zusammenhang mit «Diagnose der Zukunft» fällt immer wieder der Begriff DoIP und sorgt noch bei vielen für fragende Blicke. Müssen sich Garagisten auf neue kostspielige Überraschungen seitens der Fahrzeughersteller und Garagenausrüster gefasst machen? Um die Antwort voraus zunehmen: Nein, zumindest Hella Gutmann-Kunden müssen sich nach Aussage der deutschen Diagnose-Spezialisten keine Sorgen machen und auch nicht in ein neues Gerät investieren.
 
Die Daten-Flut steigt
Bei DoIP handelt es sich um ein erweitertes, ethernetbasiertes Transportprotokoll für Daten. In diesem finden die Automobilhersteller eine Antwort auf das stetig wachsende Datenaufkommen im Fahrzeug, denn die Leistungsfähigkeit herkömmlicher Bussysteme reicht für die Flut an Daten, die in modernen Fahrzeugen übertragen werden müssen, nicht mehr aus. DoIP ist in der ISO 13400 spezifiziert und auch bereits in der WWH-OBD (World Wide Harmonised OBD) vorgesehen. Mit der neuen Übertragungsart lassen sich grosse Datenpakete via schnellem Ethernet zwischen dem Fahrzeug, dem Herstellerportal und dem Diagnosegerät übermitteln, denn es stehen höhere Datenraten zur Verfügung. Somit lassen sich komplexe Diagnoseaufgaben und Flash-Anwendungen erheblich beschleunigen.
 
Die jüngsten Modellgenerationen einiger Marken basieren bereits auf Ethernet. So haben sich auch führende Hersteller von Diagnosegeräten wie Hella Gutmann auf DoIP vorbereitet. Ralf Gutekunst, Leiter Produktmanagement bei Hella Gutmann, beantwortet einige Detailfragen.


Für den Fall, dass die Hersteller in Zukunft weitere, derzeit noch unbekannte Ethernet-Übertragungsprotokolle einführen: Dieser Universaladapter wird an das VCI beziehungsweise die OBD-Schnittstelle des Fahrzeugs gekoppelt und fungiert dabei als Switch. Er übernimmt dann das Protokoll-Management.


Herr Gutekunst, wie wirkt sich die Techno­logie auf den Diagnosealltag aus? Geht damit beispielsweise eine andere Diagnoseschnittstelle einher?
Ralf Gutekunst: Zusätzliche Schnittstellen wie z.B. LAN (Rj45) spielen für Werkstätten keine Rolle. Zumindest äusserlich wird die physikalische Schnittstelle in den Fahrzeugen, sprich die 16-polige Steckdose, unverändert bleiben. Veränderungen der Schnittstelle vollziehen sich vielmehr im Verborgenen – genauer gesagt in Form einer Mehrfachbelegung von 4 Pins. Somit ist die DoIP-Schnittstelle quasi in die OBD-Schnittstelle integriert. Dies ist in einer ISO-Norm festgeschrieben. Unseren Software-Entwicklern ist es ge­lungen, die neuen Anforderungen in die Diagnose­software zu implementieren. An aktuellen Fahrzeugen, die über Ethernet kommunizieren, können mit unseren aktuellen Diagnosegeräten sämtliche Diagnosefunktionen bis hin zu Kalibrierungen und Codierungen durchgeführt werden. Für Garagisten, die mit den Diagnosegeräten der Mega-Macs-Reihe arbeiten, ändert sich derzeit also nichts. Individuelle Adaptionen laufen komplett im Hintergrund ab. Auch die Erkennung, dass es sich um ein DoIP-Fahrzeug handelt, erfolgt automatisch durch den Mega Macs.
 
Bei welchen Fahrzeugen kommt die neue Ethernet-Kommunikation schon zum Einsatz bzw. welche Autobauer führen diese bald ein?

Derzeit kommunizieren aktuelle Fahrzeuge wie der Volvo XC90 über Ethernet. Doch die Datenpakete, die z. B. beim Flashen in kurzer Zeit übertragen werden müssen, werden aufgrund der wachsenden Zahl der Fahrzeugsysteme und Steuerungen immer dicker. Deshalb werden voraussichtlich aufgrund der höheren Zuverlässigkeit bei der Datenübertragung in naher Zukunft auch andere Hersteller in ihren neuen Modellen auf Ethernet-Protokolle wechseln.
 
Ist es vorstellbar, dass die Fahrzeughersteller das Kommunikationsverfahren auch bei älteren Fahrzeugen durch Ethernet ersetzen?
Das können wir als Gerätehersteller natürlich nicht sicher wissen. Doch für den Fall, dass die Hersteller in Zukunft weitere, derzeit noch unbekannte Ethernet-Übertragungsprotokolle einführen oder in älteren Fahrzeugmodellen das bisherige Kommunika­tions­verfahren via OBD-Protokoll und CAN-Bus ausser Kraft setzen und nur noch Ethernet-Diagnose zulassen, ist Hella Gutmann vorbereitet: Ein elektronischer Adapter zwischen dem VCI und der OBD-Schnittstelle des Fahrzeugs fungiert dann als Converter. Er übernimmt das Protokoll-Management bzw. die Convertierung der Ethernet-Protokolle. Dank dieses elektronischen Adapters kann dann das Fahrzeug mit einem existierenden Diagnosegerät der aktuellen Mega-­Macs-Reihe wie gewohnt diagnostiziert werden. Für den Bediener bleiben somit die Abläufe der Fahrzeugdiagnose unverändert.
 
Ist für Garagisten mit der Möglichkeit zu DoIP langfristig der Zugang zu allen Fahrzeugsystemen gesichert oder könnte es sein, dass die Fahrzeughersteller diesen auf andere Art unterbinden?
Derzeit gehen die Bestrebungen der Fahrzeughersteller unter dem Mantel der Sicherheit und im Hinblick auf autonomes Fahren tatsächlich in die Richtung, den Zugang zu Fahrzeugdaten zu limitieren. In dieser An­gelegenheit werden weitere Konzepte wie «Extended Vehicle» oder «Caruso» diskutiert, die als Datenplattformen genutzt werden können. An dieser politischen Diskussion und der Darstellung der Wichtigkeit des freien Datenzugangs für den freien Werkstattmarkt beteiligt sich Hella Gutmann sehr aktiv. Wir sind sicher, dass sich der Gesetzgeber dieser Argumentation pflichtbewusst stellen wird. Hella Gutmann wird auch in Zukunft Lösungen zur Verfügung stellen, mit denen unsere Kunden Fahrzeuge aller möglichen Ausprägung kompetent und umfassend reparieren können.

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