Fährbetrieb muss auch beim Betanken laufen

1. August 2017 agvs-upsa.ch - Die fünf Zürichsee-Fähren werden von Dieselmotoren angetrieben; drei davon haben einen AdBlue-Tank, um den NOx-Ausstoss zu reduzieren – ein Pionierprojekt. Dafür müssen alle drei Monate rund 10‘000 Liter Harnstoff nachgefüllt werden, ohne dass der Fahrbetrieb beeinträchtigt werden darf.


Der LKW muss wegen der Gewichtsverteilung gut platziert werden. Das Betanken mit AdBlue dauert etwas länger als eine Überfahrt: Adrian Hauser, Bruno Schnider von der Thommen-Furler AG und Chauffeur Roland Widmer geniessen das schöne Wetter.

srh. Die Rushhour am Morgen ist vorbei; zwei der fünf Zürichsee-Fähren werden an der Anlegestelle in Horgen «geparkt». Die Morgenschicht trifft sich im kleinen Betriebsgebäude direkt bei der Fährrampe zum «Znüni». Heute gibt es Appenzeller Biberli. Mitgebracht hat diese Bruno Schnider, bei Thommen-Furler AG zuständig für Verkauf & Beratung Automotive Region Ostschweiz. Seit er im Appenzellerland wohne, sei dies ein übliches Präsent. Schniders Besuch steht im Zusammenhang mit einer Grosslieferung AdBlue für die Zürichsee-Fähren. Denn kurz nach 9 Uhr fährt auch der AdBlue-Tanklastwagen der Thommen-Furler AG beim Fährhafen vor. Das Berner Unternehmen liefert AdBlue vom Ein-Liter-Gebinde bis 24‘000 Liter lose im Tankwagen aus.
 
Herausforderung Fährbetrieb
Die spezielle Herausforderung bei der Betankung einer Zürichsee-Fähre mit AdBlue ist, dass dies während des Betriebs geschieht. «Das Timing ist für uns sehr wichtig», erklärt Adrian Hauser, Werkstattchef der Zürichsee-Fähre Horgen-Meilen AG. «Der LKW darf den Kunden keinen Platz wegnehmen.» Rund 4000 Fahrzeuge befördern die fünf Zürichsee-Fähren jeden Tag – an Spitzentagen über 7000 Fahrzeuge.
Thommen-Furler legt deshalb grossen Wert auf die Details. «Neben Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit sind für uns auch Sauberkeit und Freundlichkeit sehr wichtig», sagt Schnider. Und tatsächlich: Der gelb-blau-grüne Mercedes-Truck mit der auffälligen «AdBlue»- und BASF-Aufschrift glänzt frischgewaschen. Dazu geben Schnider und Chauffeur Roland Widmer während des Betankens interessierten Fahrgästen gerne Auskunft – zumal über AdBlue zuletzt häufiger in den Medien zu lesen war.
 
Betankung ohne Motorenlärm
Während die ersten Autos schon auf der Fähre warten, rollt Widmer den Lastwagen vorsichtig rückwärts auf die «Zürichsee». Dabei wird er von den Fährleuten genau eingewiesen. «Die Fahrzeuge müssen auf dem Schiff dem Gewicht entsprechend platziert sein, damit die Fahrgäste sich wohlfühlen und die Fähre keine Schräglage hat», so Hauser.
 Dann stellt Widmer den Motor ab, öffnet die Heckklappe und zieht den Schlauch zum Einfüllstutzen. Dank eines Zusatztanks mit Kompressorluft erfolgt die Betankung nicht mit laufendem Motor. Ein Plus für die Thommen-Furler AG, die seit Herbst 2016 AdBlue-Lieferantin für die Zürichsee-Fähren ist, «weil es auch sehr angenehm für die übrigen Passagiere ist», erklärt Hauser. Ausschlaggebend für den Lieferantenwechsel seien aber primär andere Faktoren gewesen: «Der zuverlässige Service und ein einwandfreies Funktionieren des Umschlags sind für uns oberstes Gebot – und natürlich der Preis.»
 

Adrian Hauser rechnet direkt aus, wie viel AdBlue in den Tank kommt und was die Kosten dafür sind.

«Persönlicher Kontakt ist mir sehr wichtig»
Schnider schmunzelt ob dem Kompliment in die Sonne, die sich zunehmend gegen die graue Wolkendecke durchsetzt. Er hatte als Fahrgast einst einem Fährenmitarbeiter seine Visitenkarte in die Hand gedrückt und sich dann gemeldet. «Irgendwie kam es dann, dass ich den ‹Znüni› mitbringen sollte», erinnert er sich lachend. «So entstand die Tradition mit den Biberli.» Und Kundenpflege steht für ihn an oberster Stelle: «Rund alle zwei Wochen nutze ich die Fähre über den Zürichsee. Der persönliche Kontakt ist mir sehr wichtig.»
In Meilen fahren die Fahrzeuge von der Fähre und die neuen Fahrgäste steuern ihre Wagen auf die «Zürichsee». Adrian Hauser klettert in den Maschinenraum – bald ist der 4000 Liter grosse Harnstofftank gefüllt. «Der AdBlue-Verbrauch entspricht rund vier Prozent des Dieselverbrauchs», rechnet Hauser vor. Die Schiffsschrauben werden von zwei 550 PS starken Dieselmotoren angetrieben; die vier Dieseltanks fassen 22‘000 Liter – auch dieser Tankvorgang erfolgt während der Fahrt.
 
Alle drei Monate betanken
Nach knapp einem Drittel der Fahrt zurück nach Horgen ein lauter Pfiff; Roland Widmer schliesst den Hahn und rollt den Schlauch wieder ein. In Horgen fährt der Chauffeur mit den anderen Fahrzeugen von der Fähre und wartet auf die «Horgen» mit ihren beiden 2000-Liter-Tanks. Einzig die «Schwan» wird nicht im Betrieb betankt, sondern an der Anlegestelle.
Es ist mittlerweile kurz vor Mittag. Roland Widmer nutzt die idyllische Lage am Zürichsee zum Lunch. Bruno Schnider verabschiedet sich derweil von der Belegschaft – es geht sehr kollegial zu und her. Der Umgang wirkt vertraut. In rund drei Monaten werden sie sich zum nächsten Betanken wieder treffen. Schnider steigt in sein Auto und nimmt die Fähre nach Meilen; Widmer greift sich ein Biberli und fährt Richtung Thurgau zum nächsten AdBlue-Betanken. Etwas weniger spektakulär – eine ganz «normale» Tankstelle wartet auf den Chauffeur.
 
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