Riet Bulfoni werden harte Brocken vorgesetzt

20. September 2017 agvs-upsa.ch - Kamerateams, Journalisten, Interviews: Der Bündner Automobil-Mechatroniker Riet Bulfoni und sein Arbeitgeber, die Central Garage Denoth AG in Scuol, stehen dieser Tage im Rampenlicht. «Und das ist gut für unseren Beruf», sagt der Schweizer Vertreter an den WorldSkills Abu Dhabi 2017. 
 
tki. Geschäftiges Treiben in der Central Garage Denoth in Scuol: Riet Bulfoni prüft mit kritischem Blick einen Motorenblock und stellt eine Diagnose. Während dieses Prozedere den 22-jährigen Bündner in den letzten Wochen durch seinen Alltag begleitete, ist etwas neu: Bulfoni steht unter Beobachtung. Ein Kamerateam des «Blick» sieht dem Teilnehmer der Berufsweltmeisterschaften, den WorldSkills Abu Dhabi 2017, über die Schultern. «In den letzten Tagen häuften sich die Medientermine», sagt Riet mit einem Schmunzeln, «und das ist gut für meinen Betrieb und meinen Beruf.»

Edelmetall im Visier
Trotz des medialen Interesses steht für den Automobil-Mechatroniker fest: «Jetzt ziehen wir in der Vorbereitung auf Abu Dhabi erst richtig die Schraube an.» Mit seinem Experten Flavio Helfenstein, seines Zeichens Berufsweltmeister im Jahr 2011, schulte Bulfoni in den letzten Wochen vor allem Exaktheit und Geschwindigkeit seines Handwerks. «Ausserdem zerlegte ich zig Motoren und fokussierte mich auf mechanische Details», ergänzt er und kann seinen Ehrgeiz kaum verbergen. Kurzum: «Ohne Edelmetall anzupeilen, muss ich nicht in den Nahen Osten reisen.»

Chef leistet vor Ort Unterstützung
Das markenübergreifende Training ging in den letzten Tagen in die Spezialisierungsphase über. «Wir erfuhren Mitte September, an welchen Automarken wir an den WorldSkills arbeiten werden. Zudem ist durchgesickert, dass sich einer der acht Posten ums Motormanagement dreht», erklärt Bulfoni die nächsten Schritte bis zum Abflug am 8. Oktober. Eine Reise, auf der Bulfoni auf die Unterstützung seines Arbeitgebers Flurin Denoth zählen kann. «Sie sind ganz schön stolz und helfen mir bei der Vorbereitung, wo es geht», dankt es Riet Bulfoni seinem Lehrbetrieb, der Central Garage Denoth AG in Scuol, zurück.

Improvisation gefragt
Doch die Zeit bis zur Abreise sollte dank der Planung der WorldSkills-Verantwortlichen zur ungeahnten Herausforderung werden: Zwei der drei Fahrzeugmodelle, an welchen Riet Bulfoni sein Können unter Beweis zu stellen hat, sind in Europa nicht erhältlich. «Dass sie uns gleich solche Exoten vorsetzen, überrascht», dies erste Reaktion des Automobil-Mechatronikers.

«Zum einen bekommt Riet einen in Europa nicht verfügbaren Nissan vorgesetzt, zum andern bekommt er es mit der chinesischen Marke Changan zu tun», erklärt Betreuer Flavio Helfenstein. Die im Jahr 1862 lancierte Kleinmarke, die jährlich gut 300 000 Personenwagen vom Band lässt, dürfte indes auch für Bulfonis Konkurrenz zur Herausforderung werden.

Die Schraube zieht an: Das Grundlagentraining geht nur in die Spezialisierungsphase über.

«Motor bleibt Motor»
«An dieser Marke, von der wir alle noch nie gehört haben, wird das Motorenmanagement geprüft. Klar, es wäre einfacher, hätten sie uns einen VW-Golf vorgesetzt, aber Motor bleibt Motor», nimmt es Bulfoni sportlich. Ein Trost bleibt: Die dritte Prüfungsaufgabe gilt es an einem in der Schweiz gängigen Hyundai zu erledigen.

Mit Grundlagentraining zufrieden
«Aktuell läuft die Vorbereitung nach Plan», bestätigt Helfenstein den Optimismus des Bündner WorldSkills-Teilnehmer: «Das Grundlagentraining war einwandfrei. Jetzt versuchen wir, mithilfe des AGVS Informationen zu den uns fremden Modellen, Benutzerhandbücher oder gar ähnliche Fahrzeuge aufzutreiben.»
Einen markanten Unterschied stellt der WorldSkills-Goldmedaillengewinner 2011 dennoch fest: «Damals waren uns die Testfahrzeuge viel früher bekannt, sodass wir uns länger auf hohem Niveau vorbereiten konnten.»

Optimistisch in den Endspurt
Nichtsdestotrotz sieht Helfenstein die Chance für auch dieses Jahr intakt: «Riet Bulfoni ist hoch motiviert und sein handwerkliches Können ist auf sehr gutem Niveau – wir sehen Abu Dhabi positiv entgegen.» 
 
Vier Fragen an den WorldSkills-Teilnehmer 2015
Herr Trotti, welchen Tipp geben Sie Riet Bulfoni auf den Weg?
Jean Trotti: Ganz einfach : Geniesse diese Zeit! Der Wettkampf ist sicher sehr wichtig,
aber die Erfahrung und das Erlebnis einer WM, die Stimmung im dem Schweizer Team
– das sind die besten Erinnerungen.
 
Welches sind die grössten Herausforderungen?
Die Zeit. Es gibt so viel zu tun in nur ein paar Stunden. Und natürlich das Level. Das WM-Niveau ist extrem höher als an der Schweizer Meisterschaft oder am Fünf-Länder-Cup. Riet absolvierte aber eine gute Vorbereitung. Ich denke, er kann es schaffen!
 
Würden Sie sich nun anders vorbereiten?
Man kann es immer besser machen, aber ich bin mit meinem Abschneiden zufrieden. Es ist wie im Sport: Man kann nicht immer zuoberst auf dem Podest stehen, muss aber für sich sagen können «Ich habe alles gegeben.»
 
Wie stark ist die Konkurrenz?
Die Mitbewerber kommen aus 40 Ländern – da sind Unterschiede vorprogrammiert. Aber wir geniessen in der Schweiz eine super Ausbildung und müssen uns nicht verstecken. Doch die asiatischen Teilnehmer sind weltklasse.
 
Die AGVS-Medien berichten
Die WorldSkills Competition 2017 findet vom 14. bis 19. Oktober in Abu Dhabi statt. AUTOINSIDE, agvs-upsa.ch und autoberufe.ch halten Sie auf dem Laufenden.
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