Fachliche Anforderungen für Berufsbildner werden angepasst

6. Februar 2017 agvs-upsa.ch - Wer künftig Automobil-Mechatroniker ausbilden will, muss nicht mehr über einen eidg. Fachausweis als Automobil-Diagnostiker verfügen. Diesen Beschluss fällte die Berufsbildungskommission (BBK) des AGVS.
 
sco. Zu reden gab vor allem die Änderung von «Artikel 10 – Fachliche Anforderungen an Berufsbildnerinnen und Berufsbildner». Arnold Schöpfer stellte der Kommission das Revisionskonzept mit den neuen Ausbildungsvorschriften für Automobil-Assis­tenten, -Fachleute und -Mechatroniker vor. Wer heute einen Automobil-Mecha­troniker ausbilden will, der muss über einen Eidgenössischen Fachausweis als Automobil-Diagnostiker verfügen. Diese Bedingung hindere viele kleinere Garagen­betriebe daran, selber Mechatroniker auszubilden, erklärte Schöpfer den anwesenden Ausbildungs-Obmännern aus den Sektionen.

Kompromiss mit Kantonen und SBFI
Die neue Lösung, die der AGVS in Zusammenarbeit mit den Kantonen und dem Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) entwickelt hat, senkt die fachlichen Anforderungen für Berufsbildner leicht ab. Wer einen Automobil-Mechatroniker ausbilden will, muss neu folgende Bedingungen erfüllen:
 - 3 Jahre Berufserfahrung als Automobil-­Mechatroniker,
- von der OdA (Organisationen der Arbeitswelt) anerkannte fachtechnische Weiterbildung von mindestens 120 Stunden mit Abschluss,
- methodisch-didaktische Ausbildung von einer Dauer von 1 bis 2 Tagen (muss noch definiert werden).

Die methodisch-didaktische Ausbildung wird auch für die Berufsbildner von Automobil-Assistenten und Automobil-Fachleuten vorausgesetzt. Damit wird gemäss den Befürwortern auch die Qualität in den Ausbildungsbetrieben über alle drei Grundbildungen verbessert.

Eine Minderheit der Sektionsvertreter befürchtet eine Qualitätseinbusse in der Berufsausbildung, wenn man vom Grundsatz abweiche, dass nur ein Diagnostiker einen Mechatroniker ausbilden dürfe. Man öffne zwar den Kreis der Lehrbetriebe, stellte Christian Leu, Vizepräsident des AGVS Schaffhausen, fest: «Aber wir haben heute bei uns eher das Problem, geeignete Lernende zu finden, als geeignete Lehrbetriebe.» Der Zürcher Andreas Billeter bezeichnete die Vorlage als «gut-eidgenössischen Kompromiss». Er vertraue dem Verband, dass mit geeigneten Kursen ein Qualitätsabbau zu verhindern sei.

28 Ja- zu 16 Nein-Stimmen
Kommissionspräsident Charles-Albert Hediger stellte fest, dass in den einzelnen Betrieben nicht zwingend der Diagnostiker ausbilde und drückte gleichzeitig Verständnis aus für die Opposition: «Wenn Dinge sich ändern, dann gibt es immer Zweifel. Aber die Welt ändert sich und wir müssen uns mit ihr ändern.» Mit 28 Ja- zu 16 Nein-­Stimmen bei drei Enthaltungen stimmte die BBK dem Artikel 10 der neuen Bildungsverordnung zu.

Die weiteren Abstimmungen zu den Grundbildungen verliefen weit weniger konträr: Die Gewichtung der Noten wird abgeschafft (Art. 18). Dafür wird im Qualifikationsverfahren der Automobil-Mechatroniker die bisherige Fallnote Berufskenntnisse (BK) neu mit der Erfahrungsnote BK kombiniert. Der Mittelwert dieser beiden Noten muss mindestens die Note 4.0 betragen (Art. 19). Das neue Reglement tritt ab 1. Januar 2018 in Kraft und wird zum Lehrbeginn im August 2018 wirksam sein.
 

Für ihren langjährigen Einsatz geehrt
 
6. Februar 2017 agvs-upsa.ch - An der BBK-Sitzung im Januar in der Mobilcity wurde nicht nur über die Revision der technischen Grundbildungen gerungen. Olivier Maeder, Leiter Bildung beim AGVS, durfte vier Persönlichkeiten für ihr langjähriges Engagement in der Aus- und Weiterbildung ehren.
 

Ehrungen (v.l.): Olivier Maeder, Bildungsverantwortlicher beim AGVS, BBK-Präsident Charles-Albert Hediger, Kurt Fluri, Peter Blumenstein, Ernaldo Basetti, Ernst Frischknecht und AGVS-Präsident Urs Wernli. 

Jürg Fluri
Am 1. Mai 1995 begann Jürg Fluri seine Tätigkeit als Leiter der Abteilung Berufsbildung beim AGVS. Eine seiner ersten Arbeiten war die Umsetzung der neuen Reglemente 1994 für Automechaniker und Automonteure. Später war der Solothurner massgeblich an den Reformen der Höheren Fachprüfung vom eidg. dipl. Automechaniker zum Automobil-Kaufmann und zum diplomierten Betriebswirt im Automobilgewerbe beteiligt. Gross war das Engagement Jürg Fluris auch im Bereich der Berufsmeisterschaften, wo er sich dank den Erfolgen von Michael Matti (Silber), Andreas Bühler und Lukas Hediger (Bronze) sowie Flavio Helfenstein (Gold) über einen kompletten Medaillensatz der World Skills freuen darf. Nach mehr als 20 Jahren Tätigkeit für den AGVS ging Jürg Fluri Ende November 2016 in den verdienten Ruhestand.

Peter Blumenstein
Seit 2002 war Peter Blumenstein Experte für die Weiterbildung zum Automobil-Verkaufsberater (AVB). Von 2004 bis 2016 war er Präsident der AVB-Kommission und dadurch auch Mitglied der nationalen BBK. Dies tat der begeisterte Windsurfer auf seine bescheidene Art und Weise: Jahrelang verzichtete er auf eine Entschädigung für sein Engagement. Blumenstein hatte einst angekündigt, er werde aus der Qualitätssicherungskommission AVB zurücktreten, wenn Jürg Fluri pensioniert werde. Dies hat er nun wahr gemacht, nicht ohne vorher noch seine Nachfolge zu regeln.

Ernaldo Basetti
25 Jahre war der Zürcher in der Kommission kaufmännische Grundbildung (K-KG) tätig, von 2002 bis 2016 als Präsident. Von 1992 bis 2003 war Ernaldo Basetti Prüfungsexperte und -autor für kaufmännische Lernende in den Verbänden VSAI, VSCI und AGVS. Er machte sich stets für die kaufmännische Grundbildung stark und setzte sich für ein aktuelles und den Betrieben entsprechendes Berufsbild ein. «Es ist auch sein Verdienst, dass sich nach den beiden Reformen der Bildungsverordnungen dieser Lehrberuf wieder fest im Automobilgewerbe etablieren konnte», sagt Olivier Maeder.

Ernst Frischknecht
Mehr als 30 Jahre arbeitete Ernst Frischknecht im Vorstand der AGVS-Sektion Glarus und engagierte sich dort für die Berufsbildung. Aufgewachsen im Kanton Appenzell Ausserrhoden, fand er via Zeitungsinserat für eine Garage in den «Zigerschlitz». Dort wurde er zu einer der prägenden Figuren in der Sektion, die im Jahr 2016 ihr 50-jähriges Bestehen feierte. Ernst Frischknecht war eine der treibenden Kräfte beim Einzug der Glarner Lernenden in die gewerblich-industrielle Berufsfachschule in Ziegelbrücke.
 

 
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