«Wenn ich nicht Politik mache, dann tut es ein anderer für mich»

5. Dezember 2016 agvs-upsa.ch - Als erster Romand präsidiert Jean-François Rime den Schweizerischen Gewerbeverband SGV. Am «Tag der Schweizer ­Garagisten» wird der SVP-Nationalrat aus dem Kanton Freiburg darüber sprechen, warum sich gerade Unternehmer politisch engagieren sollen.
 
Monsieur Rime, wieso engagieren Sie sich als Unternehmer in der Politik?
Jean-François Rime: Das kann man als Familienkrankheit bezeichnen. Schon mein Grossvater war Gemeinderat in einer kleinen Gemeinde im Kanton Freiburg. Mein Vater war Grossrat, Grossratspräsident und Nationalrat. Auch meine Söhne engagieren sich politisch; der eine sass in Freiburg in der Legislative, zog dann aber weg, ein anderer ist in Bulle im Conseil général, wie die Legislative bei uns heisst. Beide politisieren für die SVP. Die Politik liegt quasi in unseren Genen.
 
Wenn Sie wieder die Wahl hätten, in die Politik zu gehen: Würden Sie es alles wieder genauso machen?
Natürlich! Es ist wichtig, dass man sich politisch engagiert, und ich habe immer noch grosse Freude an der politischen Arbeit. Ich bin jetzt in meiner vierten Legislatur im Nationalrat angelangt. Wenn ich keinen Spass an der Politik hätte, würde ich sofort aufhören. Ich sage mir immer: Wenn ich es nicht tue, dann tut es ein anderer für mich. Wir haben im Kanton Freiburg ja auch Politiker wie Christian Levrat…
 
Sie haben in der FDP begonnen, sind dann in die SVP übergetreten. Warum eigentlich?
(Lacht) Man kann sich immer verbessern! Im Ernst: Als mein Vater noch politisierte, war die SVP im Kanton Freiburg zwar existent, aber doch sehr klein und vor allem mit Landwirtschafts-Themen aktiv.
 
Sie politisieren in der SVP, aber nicht mit Themen wie Europa oder Ausländer, mit denen Ihre Partei viele Wahlen gewinnt.
In der Europapolitik befinde ich mich auf Parteilinie. Aber es ist richtig, dass ich kein Spezialist in Sachen Ausländerpolitik bin. Da gibt es andere in der Partei, die sich besser auskennen. Ich konzentriere mich in meiner politischen Arbeit auf die Themen Wirtschaft, Energie und Transport… Wissen Sie, kein Parlamentarier ist zu 100 Prozent auf der Linie seiner Partei. Aber wer bei einem Thema nicht einverstanden ist, der kann ja einfach schweigen.
 
Sie sind Unternehmer, Politiker und sitzen in Führungsgremien verschiedener Verbände und Institutionen – Hand aufs Herz: Wie gross ist die zeitliche Belastung?
Meine Familie besitzt drei Unternehmen, ein Sägewerk, eine Firma für Strassensicherheit und eine für Gartenbau. Als mein Vater noch in der Politik war, habe ich immer gesagt: Es reicht, wenn einer in der Familie politisiert, die anderen sollen arbeiten! Aber ich habe mich als Unternehmer immer gerne in Verbänden engagiert, auf kantonaler und auf eidgenössischer Ebene. So habe ich seinerzeit gegen die Einführung der LSVA gekämpft; dieses Engagement war dann auch der Auslöser für meinen Wechsel von der FDP zur SVP.
 
Konkret: Wie viele Stunden pro Woche arbeiten Sie?
Das ist schwierig zu sagen. Grundsätzlich arbeite ich jeden Tag – zur Arbeit eines Politikers gehört ja nur schon, sich zu informieren, Zeitung zu lesen, Kontakte zu pflegen. Die Arbeit im Nationalrat gibt zu tun, aber mit der steigenden Erfahrung geht es immer etwas leichter: Ich bin gut vernetzt, weiss in der Regel schnell, wo ich mir welche Informationen beschaffen kann. Und: Ich bin jetzt 66 Jahre alt und habe die operative Führung der Familien-Unternehmen abgetreten. Ich halte zwar noch 55 Prozent der Aktien und meine drei Söhne je 15 Prozent, aber die operative Führung obliegt meinen Söhnen. Sie sind jetzt 36, 34 und 30 Jahre alt, die können das.
 
Wie stark prägte Ihr freisinniges Elternhaus Ihre politische Gesinnung? Oder anders gefragt: Waren Sie nie ein Revoluzzer?
Ich habe Betriebswirtschaft studiert. Das ist nicht die Studienrichtung von Revolutionären. 1968 machte ich die Matura und ging dann für drei Jahre nach Lausanne, um zu studieren. Für uns in der Romandie waren die Unruhen in diesem Jahr ein grosses Thema, gerade der Mai 1968 mit den Revolten in Paris. Aber ich war und blieb immer bürgerlich.
 
Wie gross ist Ihr Einfluss als einer von 200 Nationalräten?
Das müssen Sie nicht mich fragen, sondern meine Kolleginnen und Kollegen im Rat. Aber ich bin jetzt seit 13 Jahren dabei; in dieser Zeit baut man sich schon ein Netzwerk auf. Einfluss nimmt ein Politiker ja nicht nur im Nationalrat, sondern vor allem in den Kommissionen und im Kontakt mit der Verwaltung. Viele Probleme werden hinter den Kulissen gelöst. Ich habe ein paar Motionen durchgebracht, aber im Rat habe ich auch nur eine Stimme wie jeder und jede andere.
 
Gibt es etwas, auf das Sie in Ihrer Polit­karriere besonders stolz sind?
Ich bin stolz darauf, dass mich der Souverän im Kanton Freiburg viermal gewählt hat und zwar jedes Mal mit einem besseren Resultat. Bei meiner ersten Wahl 2003 hatte ich 15'000 Stimmen erhalten, zuletzt waren es fast 30'000. Offenbar schätzt und anerkennt das Stimmvolk meine Arbeit in Bern. Und stolz macht mich auch der Umstand, dass ich als erster Romand zum Präsidenten des Schweizerischen Gewerbeverbandes gewählt wurde.
 
Werfen wir einen Blick in die Kristallkugel: Welches sind die grössten Herausforderungen, die 2017 auf das Schweizer Gewerbe im Allgemeinen und das Autogewerbe im Besonderen zukommen werden?
Es gibt zwei Kernthemen, die uns über 2017 hinaus beschäftigen werden: die Altersvorsorge und die Energiepolitik. Für das Gewerbe und damit auch das Autogewerbe steht nächstes Jahr mit dem National­strassen- und Agglomerationsverkehrs-Fonds (NAF) eine wichtige Abstimmung an. Ich behaupte: Ohne die verlorene Milchkuh-Initiative hätten wir beim NAF keine so gute Vorlage hinbekommen. Sie entspricht zwar nicht zu 100 Prozent unseren Wünschen und Vorstellungen, aber es ist eine gute Vorlage, die genügend finanzielle Mittel in die richtigen Projekte leiten wird.
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