Unterstützung für den Diesel

16. August 2017 agvs-upsa.ch – Damit war nicht zu rechnen. Ausgerechnet Energieministerin und Tesla-Fahrerin Doris Leuthard bricht eine Lanze für Diesel-Fahrzeuge. Auch im «Blick» kommt der Diesel gut weg. Die Aufgeregtheit der letzten Wochen und Monate an der «Diesel-Front» scheint sich allmählich zu beruhigen.
 
sco. Das Zitat der Bundespräsidentin steht in der NZZ am Sonntag: «Man muss aber ehrlicherweise auch sagen, dass Elektroautos nicht alles besser machen. In der Gesamtenergiebilanz schneiden sie wegen der Batterien nicht am besten ab. Diesel – oder Biogas-Autos sind am besten.»

«Verbote sind nicht schweizerisch»
Die Aussage machte die Vorsteherin des Eidgenössischen Departementes für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) während einer Reise nach Grönland, wo sie sich von Schweizer Forschern über den Klimawandel informieren liess. Die Bundespräsidentin äusserte sich dabei nicht nur zu den Vorteilen von Diesel und Biogas im Vergleich mit Elektro, sondern in diesem Zusammenhang auch zu den angekündigten Verboten von Benzin- und Dieselautos bis 2040 in Frankreich und England: «Verbote sind nicht schweizerisch. Wir haben auch keine Autoindustrie, die wir damit beeinflussen können.» Man fördere das Umsteigen auf Elektroautos indirekt, etwa mit einem Netz von Ladestationen.

Auf Nachfrage von AGVS-Online liess Bundespräsidentin Leuthard verlauten, sie sehe davon ab, den Interviewaussagen weiteres beizufügen. Dass sie selbst einen Tesla als Dienstfahrzeug nutzt, begründet ihre Mediensprecherin Annetta Bundi: «Das Fahrzeug entspricht den Vorgaben des Bundes, die an ein offizielles Dienstfahrzeug gestellt werden, und passt als reines Elektrofahrzeug in die Strategie des UVEK, CO2-Emissionen zu reduzieren und mit Energieressourcen sparsam und effizient umzugehen.»

Der Diesel war nicht nur im fernen Grönland ein Thema, sondern auch in Dübendorf. Hier ging es jedoch nicht um CO2, sondern um Stickoxide (NOx). Im «Blick» beruhigte Christian Bach, Leiter Fahrzeugantriebssysteme bei der Empa, verunsicherte Diesel-Fahrer und versicherte, dass die am «Dieselgipfel» in Berlin beschlossenen Software-Updates die schädlichen Stickoxid-Emissionen tatsächlich reduzieren. «Mittels Software-Update können Teilsysteme der Abgasnachbehandlung, wie etwa das SCR-Kat-System mit AdBlue-Technologie optimiert werden.» Mit einem signifikanten Mehrverbrauch oder mit Leistungseinbussen müsse nicht gerechnet werden, so Bach. Trotzdem rät der «Motorenpapst» der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt zu anderen Antriebsarten: Gas, Wasserstoff oder Elektro aus erneuerbaren Quellen.
 
«Ohne Diesel geht es nicht»
In der gleichen Ausgabe des «Blick» äusserte sich François Launaz. Der Präsident von auto-schweiz warnte im Hinblick auf die Dieselthematik und drohende Fahrverbote von Selbstzündern davor Technik und Politik zu vermischen. «Was in Deutschland passiert, ist auch ein politisches Problem, befeuert durch die anstehende Bundestagswahl. Da kommen populistische Forderungen auf, die nichts mit der Realität zu tun haben und nichts zur Lösung des technischen Problems beitragen.» Ohne Diesel seien die Klima-Ziele von Paris nicht zu schaffen, so Launaz: «Weniger Diesel bedeutet höhere CO2-Emissionen – ein klassischer Zielkonflikt. Wir brauchen saubere Diesellösungen, um die CO2-Vorgaben zu erreichen.»

Bereits im Juli hat der AGVS – in Abstimmung mit auto-schweiz – Handlungsempfehlungen und Optionen für seine Mitglieder publiziert. Nachzulesen sind sie hier.
 
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