Spezial-Transport: AdBlue-Servicestation von Saas-Fee auf den Allalin

26. Januar 2017 agvs-upsa.ch - Die Thommen-Furler AG hilft Saas-Fee, die Luft reinzuhalten. Der Umwelttechnik-Spezialist installierte in der Bergstation Mittelallalin auf 3500 m ü. M. eine AdBlue-Servicestation. Der flüssige Harnstoff sorgt dafür, dass die Pistenfahrzeuge ­weniger Stickoxide (NOx) ausstossen.

mbo. 17 Uhr: Pumpende Bässe, klirrende Gläser, feiernde Menschen. Auf dem Sportplatz von Saas-Fee ist die Après-Ski-Party in vollem Gange. Keine zehn Meter daneben bereitet Pio Fallegger, Teamleiter der Pistenfahrzeug-Flotte, die Servicestation für den Abtransport vor. Er lädt das 1,2 Tonnen schwere Gefäss mit einem Pneubagger präzise auf einen Stahlschlitten.

Ausnahmebewilligung
Schon zuvor musste das Team um Fallegger und Pistenrettungschef Dominik Kalbermatten Geschick beweisen. Denn es galt, die rund 6,5 x 1,5 x 2,5 Meter messende Servicestation vom Parkhaus beim Dorfeingang durch die engen Gassen des autofreien Walliser Skiortes zu zirkeln. «Weil unsere Elektromobile zu klein sind, wurde der Tank ausnahmsweise mit einem motorisierten Transporter zum Sportplatz geliefert», erklärt Kalbermatten. Der Transporteur – die Getränke und Transporte Supersaxo Damian AG – hat den Job mit Bravour erledigt.

18 Uhr: Es wird langsam dunkel im von Bergriesen umgebenen Ski-Dorf. Immer noch treffen vereinzelt Skifahrer und Snowboarder bei der Talstation ein, um sich der Partymenge anzuschliessen. Pio Fallegger hat den Schlitten mittlerweile an seinen 455 PS starken Kässbohrer PistenBully 600 SCR angehängt. Die sich bewegenden Lichter auf der Piste zeigen es an, die restlichen zwölf Pistenfahrzeuge der Bergbahnen Saas-Fee bereiten die Skipisten für den nächsten Tag vor. «Los geht’s», gibt Fallegger das Startzeichen.


Blick vom Felskinn (3000 m ü. M.): Der Anhängerzug (rechts) passiert ein talwärts fahrendes Pistenfahrzeug.

Helden der Nacht
19 Uhr: Langsam klettert die spezielle Anhängerkomposition den Berg hinauf. Immer wieder verständigt sich Fallegger per Funk mit seinen Kollegen, um gefahrlos passieren zu können. Traktionsprobleme kennt das Raupenfahrzeug keine, obwohl es zwischendurch doch sehr steil ist. Fallegger: «Der Pistenbully kommt keineswegs überall problemlos durch, doch hier besteht die Unterlage aus kompaktem Kunstschnee; das ist für die Traktion ideal.»

19.30 Uhr: Wir erreichen das Felskinn auf 3000 m ü. M. Der Blick hinunter auf das hell erleuchtete Dorf – 1200 Meter tiefer – ist atemberaubend. Auf der Panorama-Piste wird es nochmals eng, denn ein anderes Pistenfahrzeug ist an der Arbeit. Doch Fallegger und sein Kollege kommen gut aneinander vorbei. «Wir sind alle Helden der Nacht», erklärt der Teamleiter stolz.

Blick nach Mailand
20 Uhr: Bergstation Mittelallalin, 3500 Meter über Meer. Hier oben pfeift der Wind, es ist sternenklar, von weitem sieht man die Lichter von Mailand. Im Betongebäude, vom Wind geschützt, warten zwei Spezialisten von Thommen-Furler – Roger Schmid, Aussendienst Region Mitte, und Adis Hadzic, Produktmanager Umwelttechnik. Nachdem Fallegger den Schlitten samt Ladung in der Garage abgestellt hat, kontrollieren Hadzic und Schmid die Lieferung und bereiten die AdBlue-Servicestation für die Montage vor. Das passiert aber nicht mehr in dieser Nacht.


Kaum zu glauben: Vom Wallis aus sieht man das Lichtermeer der Agglomeration Mailand.

21 Uhr: Pio Fallegger hat sich mit seinem Kässbohrer den Kollegen im Skigebiet angeschlossen. Erst gegen 2 Uhr in der Nacht sind alle Pisten fertig präpariert. Wir fahren mit der Bahn hinunter ins Dorf. Unten angekommen mischen wir uns unters Partyvolk, wo die Bässe pumpen und die Gläser klirren.
 
Die SCR-Pistenfahrzeuge der freien ­Ferienrepublik Saas-Fee
Saas-Fee zählt zu den Vorreitern im Engagement für umweltbewusstes Handeln. Die Walliser Gemeinde ist seit 1951 autofrei. Seit 2002 trägt Saas-Fee zudem das begehrte «Energiestadt»-Label und betreibt seit dem Winter 2015/2016 als eines der ersten Skigebiete SCR-Pistenfahrzeuge der Marke Kässbohrer. Mittlerweile sind sechs der 13 Pistenraupen mit einem sogenannten SCR-Katalysator ausgerüstet.
Das SCR-Verfahren (selektive katalytische Reduktion) reduziert die Stickoxide (NOx) in Abgasen. Das geschieht mittels AdBlue (Harnstoff-Lösung, 32,5%), das dem Abgas nach der Verbrennung beigemischt wird. In der chemischen Reaktion verwandeln sich Harnstoff und Stickoxide in unbedenklichen Stickstoff und Wasserstoff. Auch der Feinstaubausstoss wird in diesem Prozess erheblich gesenkt.
Topmodell der SCR-Pistenfahrzeugflotte ist der Kässbohrer 600 SCR. Das Hightech-Fahrzeug wird von einem Mercedes-Dieselmotor mit 12,8-Liter Hubraum, 455 PS und 2200 Nm Drehmoment (bei 1300 U/min) angetrieben. Der Treibstoffverbrauch beträgt je nach zu verrichtender Arbeit und Terrainbeschaffenheit 22 bis 35 Liter pro Stunde. Gleichzeitig verbraucht die Pistenraupe rund zwei Liter AdBlue pro Stunde. Der 40 Liter Harnstoff-Tank muss alle 20 Betriebsstunden aufgefüllt werden. Der grosse AdBlue-Tank an der Bergstation ergibt also durchaus Sinn.
Thommen-Furler liefert übrigens nicht nur den Tank, sondern auch das AdBlue. Das Produkt, das von BASF hergestellt wird, ist abgepackt in 10- und 20-Liter-Bidons, in 200-Liter-Fässern oder in einem 1000-Liter-Gefäss oder Lose mit Tankwagen lieferbar.

Links: www.thommen-furler.ch  •  www.saas-fee.ch  •  www.pistenbully.com

Diesen Artikel und noch viele andere interessante Beiträge lesen Sie auch im AUTOINSIDE Nr. 2, das am 1. Februar erscheint.
 

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