SAA-Präsidentin Bernadette Langenick: «Heute ist man mit weniger zufrieden»

14. Juli 2017 agvs-upsa.ch - Die im Swiss Automotive Aftermarket (SAA) vereinten Garagenzulieferer sind zufrieden mit den Geschäften. Für die nähere Zukunft sehen sie allerdings keine weitere Steigerung. Wir fragten bei SAA-Präsidentin Bernadette Langenick nach.
 
mbo/pd. Ein wichtiger Indikator für den Zustand von Unternehmen ist zweifellos die Ertragslage. Derzeit vermelden «nur» 2 Prozent der schweizerischen Garagenzulieferer schlechte Werte - im Vorquartal waren es noch 12 Prozent. Für 72 Prozent (Vorquartal 58%) der SAA-Mitglieder gilt die Situation als befriedigend und 24 Prozent (Vorquartal 30%) beurteilen die Ertragslage als gut. Ähnlich präsentieren sich die Werte beim Umsatz. Für 2 Prozent (Vorquartal 10%) der Firmen ist der Umsatz schlecht, als befriedigend bezeichnen ihn 54 Prozent (Vorquartal 56%) der Befragten und 41 Prozent (Vorquartal 34%) als gut. Auch die Beschäftigungslage zeigt sich leicht verbessert: So bezeichnen sie 2 Prozent (Vorquartal 8 Prozent) der SAA-Mitglieder als schlecht, 57 Prozent (Vorquartal 52%) als befriedigend und 41 Prozent (Vorquartal 40%) als gut. Eine Firma hat betreffend Ertragslage und Umsatz keine Angaben gemacht.
 
Trend-Prognose für das 3. Quartal 2017
Keine markanten Veränderungen zum Vorquartal zeigt die Trendprognose. So erwarten 7 Prozent (Vorquartal 16%t) eine bessere Beschäftigungslage, mit einer gleichbleibenden rechnen 93 Prozent (Vorquartal 78%) und erfreulicherweise glaubt keiner der Befragten an eine Verschlechterung (Vorquartal 6%). Beim Personalbestand gehen 85 Prozent (Vorquartal 72%) der SAA-Mitglieder von einem gleichbleibenden Trend aus, mit einer Zunahme rechnen 13 Prozent (Vorquartal 22%) und mit einer Abnahme 2 Prozent (Vorquartal 4%). Ähnlich präsentiert sich der Kostentrend im Personalbereich. Annahme von steigenden Kosten vermelden 24 Prozent (Vorquartal 30%), von gleichbleibenden gehen 74 Prozent (Vorquartal 70%) und von sinkenden 2 Prozent (Vorquartal 0%) aus.
 
Mit 46 Prozent (Vorquartal 60%) rechnen nach wie vor zahlreiche SAA-Mitglieder mit einem steigenden Kostentrend im Materialbereich. Dies dürfte auch ein Grund sein, weshalb trotz zunehmender Werte beim Umsatz die Firmen vermehrt zu einer gleichbleibenden Ertragslage tendieren. So sehen den Umsatz 33 Prozent (Vorquartal 24%) der Meldenden als zunehmend, gleichbleibend 61 Prozent (Vorquartal 66%) und abnehmend deren 7 Prozent (Vorquartal 8%). Zu einer verbesserten Ertragslage tendieren 13 Prozent (Vorquartal 20%), von einer gleichbleibenden gehen 72 Prozent aus (Vorquartal 66%) und von einer schlechteren 15 Prozent (Vorquartal 14%).

Beurteilung
In den vergangenen zwei Quartalen beschleunigte sich das Wachstum der Schweizer Wirtschaft zwar, es blieb aber trotzdem hinter den Erwartungen zurück. Dank der anziehenden internationalen Wirtschaftsentwicklung gewinnt auch die Schweizer Konjunktur an Schwung, sodass eine positive Entwicklung in den kommenden Quartalen erwartet werden kann. Insgesamt rechnet die KOF mit einem Anstieg des Bruttoinlandprodukts (BIP) in diesem Jahr von 1,3 Prozent, das Seco sogar mit 1,4 Prozent. Nach einer zögerlichen wirtschaftlichen Erholung ist auch eine positive konjunkturelle Tendenz bei den SAA-Mitgliedern festzustellen.
Drei Fragen an Bernadette Langenick, Präsidentin von Swiss Automotive Aftermarket (SAA)

«Heute sind wir mit weniger zufrieden»

Frau Langenick, die Garagenzulieferer sind zufrieden mit dem Geschäftsverlauf. Ist es auch die Geschäftsführerin von Swiss Automotive Aftermarket?
Bernadette Langenick: Wenn unsere Mitglieder zufrieden sind, bin ich es natürlich auch. Doch ein gewisses Gefühl der Besorgnis bleibt. Der Wettbewerbsdruck wird weiter wachsen, denn auf dem Zulieferermarkt wird es zunehmend enger.
 
Haben Sie mit diesem guten Ergebnis gerechnet?
Nein, ganz klar nicht. Die positiven Umfrageresultate sind meines Erachtens auf drei Faktoren zurück zu führen: Erstens profitiert die Branche von der Vollbeschäftigung - Private und Firmen investieren mehr in Pflege und Unterhalt der Fahrzeuge. Zweitens konnten unsere Mitglieder ihre Lager mit zu guten Konditionen eingekauften Produkten aus dem Euroraum füllen. Und drittens haben sie sich an die tiefen Margen gewöhnt, sie sind schneller zufrieden.
 
Viele SAA-Mitglieder rechnen mit einem steigenden Kostentrend im Materialbereich. Was kann der einzelne Garagist hier tun, um seine Einstandspreise tief zu halten?
Ja, die Kosten werden steigen. Der Garagist sollte die höheren Preise aber an seine Kunden weitergeben. Die Margen sind ja so schon sehr gering. Ich denke, wenn ein Garagenbetrieb über gute Mitarbeiter verfügt und qualitativ hochwertige Arbeit abliefert, sodass die Kunden immer wieder gerne kommen, würden sie auch einen Aufpreis akzeptieren.

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