Es werde LED-Licht

6. Oktober 2016 agvs-upsa.ch - Während sich Hersteller wie Audi, BMW oder Merdeces-Benz mit ihren Top-Modellen ein Wettrennen um die besten LED-Scheinwerfer liefern, fahren Herr und Frau Schweizer weiter mit Halogen durch die Nacht. Umrüsten dürfen sie nicht.
 


Im Haushalt geht das alles im Handumdrehen: Die alte, Energie fressende Birne kommt aus der Fassung, die neue, sparsame LED-Lampe wird eingeschraubt. Nun könnte man denken, was auf dem Nachttischchen kein Problem ist, das sollte doch auch beim Auto möglich sein. Zumal es auch hier sinnvoll wäre: So rühmt sich beispielsweise Mercedes, dass ein Serien-LED-Scheinwerfer der S-Klasse 72 Prozent weniger Energie verbrauche als ein konventioneller Halogen-Scheinwerfer.

Umrüstung in EU verboten
Die Umrüstung von Halogen auf LED als Möglichkeit für den Garagisten, ein gutes Geschäft zu machen und erst noch etwas für die Umwelt zu tun? Leider nein. Wer bei Philips und Osram, den beiden einzigen europäischen Herstellern von LED-Scheinwerfern nachfragt, der wird enttäuscht. Die Umrüstung auf LED ist in der Europäischen Union verboten. Und da sich die Schweiz in Zulassungsfragen nach der EU richtet, gilt das Verbot auch hierzulande. Philips beispielsweise führt sämtliche Produktetest im Werk in Aachen durch, erklärt Markus Lenherr von Philips-Importeur Elektro-Material AG in Zürich. «Erst wenn ein Produkt in Deutschland die Zulassung erhält, zieht die Schweiz nach.» Vereinzelt gebe es LED-Bausätze in der Tuning-Szene, aber: «Das sind keine homologierten Produkte.»
 
LED heisser als Halogen
Zwei Probleme stellen sich beim LED-Licht: Da ist einerseits die Abstrahlung. Es braucht einiges an Knowhow, um eine punktförmige Lichtquelle wie LED zum gleichen Abstrahlverhalten zu bringen wie eine gleichmässig in alle Richtungen sendende Lampe. Und da ist andererseits die Hitze, die LED-Lampen auf der Rückseite entwickeln. Da lässt sich nicht so einfach eine Halogen-Lampe raus- und eine LED-Sofitte reinschrauben.
 
Lösung da, aber…
Philips hat diese Probleme mittlerweile gelöst und bietet in Asien und einigen anderen Märkten einen Bausatz an, mit dem ein Tausch Halogen gegen LED für rund 200 Franken machbar ist. Doch die EU macht noch nicht mit. Bei Philips-Importeur Elektro-Material AG wagt man derzeit keine Prognose, wann eine Zulassung hierzulande möglich ist. Markus Lenherr: «Das liegt momentan auf Eis.»
 
Xenon statt LED
Osram umgeht dieses Dilemma mit einer Zwischenlösung und präsentierte an der Automechanika in Frankfurt ein komplettes Nachrüst-Set - wenn auch erst für den VW Golf VI. Dabei wird gleich der gesamte Scheinwerfer von Halogen auf LED-Xenon umgerüstet. Blinker und Tagfahrlicht sind LED, das Abblendlicht Xenon. Spätestens im Frühling 2017 soll das Set auf dem Markt sein. Vertriebsleiter Christian Filomeno: «Eine elegante Lösung, für die es keine Homologierung braucht.»
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