Eine Chance für den Verbrennungsmotor?

1. September 2017 agvs-upsa.ch - Gibt es bald wieder periodische Abgasprüfungen? Eine Motion der Zürcher GLP-Nationalrätin Tiana Angelina Moser verlangt genau das. Der AGVS unterstützt das Anliegen aus verschiedenen Gründen.
 
sco. Einer der Gründe ist natürlich der Gesundheitsschutz. In einer Zeit, in der sich die Schweizer Garagisten in der öffentlichen Wahrnehmung als Mobilitätsdienstleister positionieren, ist die periodische Abgasprüfung eine ausgezeichnete Gelegenheit, dieses Image als verlässlicher und vertrauenswürdiger Partner der Autofahrerinnen und Autofahrer zu stärken.
 
Seit dem sogenannten «Diesel-Gate» ist das Thema Schadstoffe aus Motorabgasen zurück in der umweltpolitischen Agenda. «Die Feinstaubbelastung fordert jährlich rund 3000 vorzeitige Todesfälle in der Schweiz», schreibt Tiana Moser im Motionstext. Und: «Verglichen mit Unfallopfern sterben jährlich etwa zehnmal mehr Menschen vorzeitig an den Folgen der Luftverschmutzung.»
 
Nicht nur der Diesel ist ein Verursacher von Feinstaub, sagt Markus Peter, Leiter Umwelt und Technik beim AGVS: «Auch moderne Benziner mit Direkteinspritzung entwickeln Russ-Partikel.» Mit der Abschaffung der periodischen Abgasprüfung vor vier Jahren habe man auf die Eigenverantwortung der Autobesitzerinnen und besitzer vertraut, so Peter: «Doch die Automobilisten können diese Eigenverantwortung oft gar nicht wahrnehmen.» Der Grund ist simpel: Nicht immer zeigt die On-Board-Diagnose an, wenn bei der Verbrennung nicht alles rund läuft. Peter: «Und solange kein Lämpchen leuchtet und ich beim Fahren nicht merke, dass mein Wagen zu viel Schadstoffe und Russ ausstösst, habe ich als Automobilist auch keine Veranlassung, eine Garage aufzusuchen.»
 
Unterstützung von links bis rechts
Genau das will Tiana Moser mit ihrer Motion erreichen, die sie am 17. März einreichte. Die grünliberale Nationalrätin aus Zürich fordert den Bundesrat auf, «in der Schweiz eine periodische Abgasprüfung zur Einhaltung der Emissionsgrenzwerte während der gesamten Dauer des Fahrzeugbetriebs einzuführen. Diese soll alle Motorfahrzeuge einschliessen, inklusive elektronisch geregelten Euro-6/VI-Fahrzeuge». Die Motion ist breit abgestützt, die Mitunterzeichnenden sind politisch von links bis rechts zu finden: Viola Amherd (CVP), Duri Campell (BDP), Ulrich Giezendanner (SVP), Jürg Grossen (GLP), Thomas Hardegger (SP), Regula Rytz (Grüne) und Thomas Weibel (GLP).
 
Markus Peter kann der Motion neben dem Gesundheitsschutz noch weitere positive Aspekte abgewinnen: «Wenn man die Abgasprüfungen richtig konzipiert, kann man damit auch den Ruf des Verbrennungsmotors verbessern.» Das sei gerade in einer Zeit mit drohenden oder bereits umgesetzten Diesel-Verboten in Innenstädten sehr wichtig, so Peter: «Die Motion ist auch eine Chance für den Verbrennungsmotor.» Der AGVS biete sich hier als Partner an bei der Definition der Messverfahren und Prüfmethoden. Die Motion fordert nämlich auch zu prüfen, «welche geeigneten Messmethoden die Einhaltung der Emissionsgrenzwerte sicherstellen». Tiana Moser meint hier die Messung am Endrohr und nicht das Ablesen von Messwerten, wie es bis 2013 für Fahrzeuge mit On-Board-Diagnose üblich und vorgeschrieben war, «eine halbpatzige Sache», sagt Markus Peter.
 
Bundesrat beantragt Ablehnung
Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion. Manipulationen könnten auch mit periodischen Abgasprüfungen nicht entdeckt werden, so das Hauptargument der Landesregierung. Der Weg zu saubereren Fahrzeugen führe nur über strengere Typengenehmigungsvorschriften. Er verweist auf neue EU-Verordnungen. Nur: Diese gelten nur für Neuwagen, nicht aber für Fahrzeuge, die bereits im Betrieb sind. Als nächstes wird sich der Nationalrat mit der Motion befassen.
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