Autobranche - Die Herausforderungen der Zukunft

Viele Konsumenten und Autofans verfolgen die Entwicklungen in der Autobranche mit Argusaugen. Was passiert mit den Benzin- und Dieselmotoren? Werden wir schon bald nicht mehr selber fahren?

Von Martin Sollberger, Präsident AGVS (Auto Gewerbe Verband Schweiz, Sektion Aargau)


Die Autobranche wird schon jetzt täglich mit diesen Fragen konfrontiert. Diese riesigen Herausforderungen bedeuten nicht nur Ungewissheit – sie bieten auch viele neue Möglichkeiten und Chancen.

1.Elektromobilität
Die bisherigen Antriebstechniken Benzin und Diesel haben massive Konkurrenz erhalten: Noch nie wurden so viele Elektrofahrzeuge verkauft wie jetzt. Trotzdem sind die Verkaufszahlen im Vergleich zum gegenwärtigen Hype rund um die E-Mobilität in der Schweiz noch auf relativ bescheidenem Niveau. Der relativ geringe Anteil dürfte sich in den nächsten Jahren deutlich erhöhen. Trotzdem lautet die Frage heute: werden sich Elektroautos durchsetzen oder bleiben sie ein Nischenprodukt? So oder so: Ohne Elektronik kommen die heutigen Autos schon längst nicht mehr aus. Der einstige Beruf des Automechanikers hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Heute kümmern sich Automobilmechatroniker und Automobildiagnostiker um die Fahrzeuge der Kunden. Die rein mechanischen Servicearbeiten an einem Fahrzeug sind nur noch ein Teil der Servicearbeiten.

2.Digitalisierung
Mit der Elektronik, die in den neusten Autos eingebaut wird, sowie dem elektrischen Antrieb, hat sich das Berufsbild komplett verändert. Und es wird sich noch weiter verändern. Denn: fahren einmal nur noch Elektrofahrzeuge auf unseren Strassen, sind die bisher bekannten Servicearbeiten passé.

Viele Automobilisten sind mit der Digitalisierung im Auto bereits vertraut. Immer mehr Assistenten werden eingebaut, welche die Sicherheit und den Komfort erhöhen. Zudem zählt die digitale Vernetzung mit dem Smartphone bei vielen Marken schon fast zum Standard.

Somit wird der Aufgabenbereich der Mitarbeitenden in Zukunft noch anspruchsvoller und interessanter. Umso wichtiger ist es für die Autobranche, Zeit und Geld in die Förderung und Weiterbildung von Fachleuten zu investieren.

Der AGVS, Sektion Aargau, fördert die Aus- und Weiterbildung. Sie zählt zu den Kerngeschäften des Verbandes. Deshalb werden die Weiterbildungsbeiträge für Automobil-Diagnostiker unter den bisherigen Voraussetzungen weiterhin ausgerichtet, bis die sogenannte „Transferfinanzierung Vorkurse" des Bundes in Kraft tritt. Danach bleiben der Wegfall bzw. die Anpassung des Weiterbildungsbeitrages für Automobil-Diagnostiker ausdrücklich vorbehalten.

3.Autonomes Fahren
Die Veränderungen sind nicht nur in der Werkstatt des Händlers im Dorf spürbar. Die Hersteller müssen sich in Zukunft ebenfalls mit neuen, industriefremden Wettbewerbern wie Google und Apple auseinandersetzen. Zudem werden die Kunden nicht mehr unbedingt mit ihrem eigenen Fahrzeug unterwegs sein. Für viele Menschen hat das Auto nicht mehr die Rolle des Statussymbols. Nutzen ist das neue Besitzen.

Mit anderen Worten: die gesamte Branche muss sich den gesellschaftlichen Veränderungen anpassen. Auch die Szenarien, dass wir in nicht allzu ferner Zukunft nicht mehr das Gaspedal drücken und das Auto steuern werden, sind wohl keine Utopie mehr. Die Autohersteller arbeiten unter Hochdruck an diesen wegweisenden Techniken.

4.Neue Vertriebsmodelle
Werden die Kunden ihre Autos Immer noch direkt beim Händler vor Ort kaufen? Das ist aus der Sicht der Garagisten zu hoffen. Doch auch hier sind neue Szenarien möglich. Schon heute beschaffen sich die meisten Kunden ihre Informationen über ihren Neuwagen oder Occasionen im Internet, bevor sie den Kauf tätigen. Nicht auszuschliessen, dass kommende Generationen ihr Auto direkt im Online-Shop kaufen. Es gilt, die Prozesse kundenbedarfs- und kundennutzengerecht zu gestalten.

Fazit
Die Herausforderungen der Zukunft – Elektromobilität und Digitalisierung – werden die Aufgaben des Garagisten sukzessive verändern. Fürs Jahr 2025 rechnet man mit einem Marktanteil von ca. 20 bis 25 Prozent an verkauften Elektrofahrzeugen. Im März 2017 lag er in der Schweiz noch bei 1,9%. Damit ist er dreimal höher als in Deutschland, wo der Kauf eines Elektrofahrzeugs mit mehreren Tausend Euros bezuschusst wird. Bei einem massiven Anstieg wird sich für die Garagen ein gewisses Umsatzrisiko im After Sales ergeben. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass der bestehende Fahrzeugpark sowie der deutlich überwiegende Teil an Neufahrzeugen noch für einige Jahre Verbrenner sein werden. Diese müssen entsprechend gewartet und repariert werden.
 
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