Erhard Luginbühl neuer SAA-Präsident

26. Oktober 2017 agvs-upsa.ch – Der Swiss Automotive Aftermarket (SAA) hat einen neuen Präsidenten: Mit Erhard Luginbühl übernimmt der bisherige Vizepräsident das Amt der langjährigen Präsidentin Bernadette Langenick. Der Aargauer Unternehmer hat eine grosse Aufgabe vor sich: Er muss die unterschiedlichen Interessen der Aussteller unter einen Hut bringen und die SAA-Expo, die jährliche Fachausstellung in Halle 7 am Auto-Salon in Genf, in eine erfolgreiche Zukunft führen. 


Bernadette Langenick übergibt das Steuer des Swiss Automotive Aftermarket an Erhard Luginbühl.

kro. Normalerweise treffen sich die Vertreter der insgesamt 80 SAA-Mitglieder an ihrer Herbstversammlung zu einem Austausch in einer der sechs Fachgruppen, um die Rahmenbedingungen der Garagenzuliefererbranche zu verbessern. In diesem Rahmen geht es auch darum, für die SAA-Mitglieder und die Öffentlichkeit Dienstleistungen wie Konjunkturbarometer und Marktdaten zu konzipieren. Doch dieses Mal war alles etwas anders: Man tagte zwar auch in den Fachgruppen, aber die grösste Aufmerksamkeit galt dem Wechsel im Präsidium. Nach knapp neun Jahren, davon sieben Jahre als Präsidentin und davor eineinhalb Jahre im SAA-Vorstand, gab Bernadette Langenick das Präsidium ab. Private Umstände lassen ihr keine andere Wahl; ihr steht für die Weiterführung dieses anspruchsvollen Amts nicht mehr die nötige Kapazität zur Verfügung. In ihre Amtszeit fällt unter anderem der für die Branche wichtige Entscheid, die Ausstellung in Halle 7 in eine moderne, auf eine Woche verkürzte Fachmesse zu transformieren.
 
Langenicks Nachfolger wird Erhard Luginbühl. Er ist Unternehmer und Besitzer des Familienunternehmens Luginbühl Fahrzeugtechnik im aargauischen Möriken und seit 2009 im SAA-Vorstand aktiv, zuletzt als Leiter der Fachgruppe Nutzfahrzeuge. Er übernimmt das Amt per sofort, die Verantwortung für die SAA-Expo in Genf im kommenden März. 
 
SAA-Expo 2018: 2000 Quadratmeter mehr
Die SAA-Expo ist nicht nur für den Verband selbst, sondern für die gesamte Zuliefererbranche ein wichtiges Thema. Die ganze Fachwelt ist gespannt, wie sich die 2017 erstmals durchgeführte und auf eine Woche verkürzte Fachmesse entwickelt. Beim SAA hat man erfreut zur Kenntnis genommen, dass sich zunehmend Aussteller für die Kurzmesse anmelden, die vorher «lang» waren. Aktueller Stand ist, dass 14 der 80 SAA-Mitglieder sowie fünf nicht SAA-Mitglieder die kürzere Variante gewählt haben – das sind insgesamt 19 Firmen auf einer Fläche von 3151 Quadratmetern. Damit liegt man plus minus auf Vorjahresniveau bei doppelter Ausstellungsfläche.
 
Was diese Woche ebenfalls klar wurde: Auch 2019 wird es sowohl eine kürzere als auch eine längere Messe geben; die Hoffnungen, dass bereits übernächstes Jahr nur noch eine Version – nämlich die kürzere – stattfinden wird, haben sich damit zerschlagen. Doch es gibt auch gute Nachrichten: «Die Messe wird 2019 nicht mehr der Länge nach in eine Kurz- und Langversion unterteilt, sondern quer», sagt Bernadette Langenick gegenüber den AGVS-Medien. Das habe den Vorteil, dass der hintere Teil nach einer Woche geschlossen werden kann und die Aussteller ihr Material gleich im Anschluss abtransportieren können und nicht nach Abschluss des Auto-Salons nochmals nach Genf fahren müssen.

Ein Unternehmer, der anpackt
kro. «Beruf muss Berufung sein»: Dieses Motto ist zentraler Treiber in Erhard Luginbühls Berufsleben. Mit den Vorstandsmitgliedern Giorgio Feitknecht, Mark Porter, Silvan Lämmle, Markus Brunner und Claudio Binder ist der 53-Jährige künftig für die strategische Ausrichtung und die Geschicke des Swiss Automotive Aftermarket (SAA) verantwortlich.

Der Unternehmer besitzt mit der Luginbühl Fahrzeug- und Werkstatttechnik AG, Luginbühl Engineering, der Moveme AG und der Melu Verwaltungs AG vier Firmen. Im Fahrzeugtechnikbereich bietet er Sicherheitssysteme für alle Arten von Arbeitsmaschinen an, im Werkstatteinrichtungsbereich das komplette Programm namhafter Hersteller. Die Firma Moveme ag bietet Lösungen von der Altersmobilität oder etwa Elektroscootern bis zum Treppenlift. Luginbühl ist gelernter Lastwagenmechaniker, war Motorfahreroffizioer bei den in einer Katastropheneinsatzkompanie. Er hat ein Studium als Automobilingenieur an der HTL in Biel (heute Berner Fachhochschule) abgeschlossen und trat nach Berufserfahrungen als Ingenieur bei Kässbohrer 1996 in die Firma seines Vaters ein. Seit 2002 ist er deren Inhaber.

Interview mit Bernadette Langenick

«Viele Mitglieder haben noch ein grosses Stück Arbeit vor sich»

Sie ist die Grand Dame der Schweizer Autobranche, war oftmals die einzige Frau inmitten eines Männergremiums. Als erfolgreiche Unternehmerin hat sie die Auto-i-dat ​AG von einer Kleinfirma zum Schweizer Marktleader im Bereich Fahrzeugdaten gemacht.

Frau Langenick, wenn Sie auf die sieben Jahre als Präsidentin des SAA zurückblicken – was war die grösste Herausforderung?
Bernadette Langenick: Zum einen sicher die Tatsache, dass die in unserem Verband zusammengeschlossenen Firmen sehr unterschiedlich auf die Herausforderungen der Zukunft reagieren. Es braucht Kraft und Beharrlichkeit, sie permanent auf die Veränderungen zu sensibilisieren. Wir haben, wie im Autogewerbe generell, zwei sehr unterschiedliche Tendenzen – die Innovativen, die die Entwicklung antizipieren, und jene, die glauben, dass es ewig so weitergeht. Zum anderen ist es zunehmend eine Herausforderung, die Mitglieder zugunsten eines Engagements für die gemeinsame Sache zu motivieren. Aber das ist der zeitlichen Belastung geschuldet, unter der unsere Mitglieder als verantwortungsvolle Unternehmer stehen. Ich bin selber Unternehmerin und kann das sehr gut nachvollziehen.
 
Dafür läuft es wirtschaftlich bei Ihren Mitgliedern gut – der Konjunkturbarometer des SAA zeigt ein erfreuliches Bild. Im Vergleich zum Vorjahr ist der aktuelle Barometer sogar noch optimistischer. Woran liegt das?
Dafür gibt es verschiedene Gründe. Zum einen trägt die aktuelle wirtschaftliche Situation in der Schweiz sicher dazu bei. Wir haben glücklicherweise nach wie vor Vollbeschäftigung. Es ist aber auch so, dass die Branche den Frankenschock verdaut hat und jetzt günstiger im Ausland einkaufen kann, was direkte Auswirkungen auf die Margen hat. Kommt dazu, dass viele Mitglieder in den vergangenen Jahren, auch bedingt durch den Frankenschock, ihre Strukturen angepasst haben.
 
15% der befragten Mitglieder sind der Überzeugung, dass die Erträge im kommenden Quartal zurückgehen. Sind das Pessimisten?
Nein, das sind keine Pessimisten, sie schätzen die nahe Zukunft aufgrund ihrer eigenen Situation einfach anders ein als die Mehrheit. Das ist legitim und möglicherweise auch dadurch zu erklären, dass diese Unternehmen in Segmenten mit ausgeprägtem Wettbewerb tätig sind.
 
Inwiefern hat die Digitalisierung in der Zuliefererbranche bereits zu (strukturellen) Veränderungen geführt?
Ich beobachte diese Entwicklung seit Jahren und muss heute feststellen, dass es nach wie vor einige Firmen gibt, die in diesem Bereich noch ein grosses Stück Arbeit vor sich haben. Aber das hat auch mit ihren Kunden zu tun: Solange in vielen Garagenbetrieben eine Generation verantwortlich ist, die lieber per Telefon als online bestellt, gibt es für diese Firmen nichts umzustellen. Allerdings warne ich davor, den Zug zu verpassen: Zunehmend übernimmt jetzt eine Generation, für die die Digitalisierung der Normalzustand ist.
 
Die Digitalisierung treibt auch die Hersteller voran. Sie entwickeln sich immer stärker in Richtung Mobilitätsdienstleister und konzentrieren sich auf die vier strategischen Felder «autonomes Fahren», «Sharing», «Connected Car» und «alternative Antriebe», sprich Elektrifizierung. Gerade letzteres ist weder für Garagisten noch für Zulieferer eine gute Entwicklung…
Das mag jetzt etwas abgedroschen klingen, aber diese Suppe wird mit Sicherheit nicht so heiss gegessen, wie sie aktuell gekocht wird. Ich bin überzeugt, dass diese Entwicklung weniger dramatisch ausfällt, als man heute aufgrund der vielen Medienberichte denkt.
 
Und da steht jetzt nicht der Wunsch dem Gedanken Pate…
Nein. Sehen Sie, unsere Mitglieder bedienen vor allem ältere Fahrzeuge und weniger den Neuwagenmarkt. Würden nun plötzlich nur noch Elektrofahrzeuge verkauft, müssten unsere Kunden in vier Jahren mit grossen Umsatzrückgängen rechnen. Aber dieses Szenario wird auf keinen Fall eintreten, nicht zuletzt, weil der Aufbau für eine stärkere Elektrifizierung auch auf absehbare Zeit nicht überall zu schaffen ist. Ungelöst ist nach wie vor auch die Frage nach der Stromversorgung, wenn alle plötzlich nur noch elektrisch unterwegs sein wollen. Alleine schon aus diesen Gründen wird es in Zukunft mehrere Antriebsarten geben. Der Benzinmotor bzw. der Diesel wird – wenn vielleicht auch nur noch als Hybrid – weiter existieren.
 
Eine zunehmende Elektrifizierung der Fahrzeuge wird zwangsläufig zu einem Rückgang im Aftersales-Geschäft des Garagisten führen. Davon wird die Zuliefererbranche direkt betroffen sein. Wie schätzt der SAA diese Entwicklung ein?
Wenn Sie vom Szenario einer Vollelektrifizierung ausgehen, dann haben wir ein Problem, keine Frage. Aber davon gehen wir nicht aus. Wir müssen hier jetzt übrigens auch nicht in kollektive Panik verfallen – der Übergang dauert Jahre. Aber das entbindet uns natürlich nicht von der unternehmerischen Verantwortung, nach alternativen Geschäftsfeldern zu suchen.

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